Aktuelle Energietrends

IEA veröffentlicht World Energy Outlook 2004

Der Weltenergieausblick der International Energy Agency (IEA) schätzt, dass auf Basis der jetzigen politischen Rahmenbedingungen der Energieverbrauch 2030 knapp 60 Prozent höher sein wird als heute. Der immense Energiebedarf wird zu 85 Prozent aus fossiler Energie befriedigt werden.

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London/Paris (red) - Bereits Ende Oktober hat die International Energy Agency (IEA) ihren aktuellen World Energy Outlook 2004 vorgestellt und dabei mehr Nachhaltigkeits-Anstrengungen gefordert. IEA-Direktor Claude Mandil gab zwar generell einen optimistischen Ausblick bis 2030, aber obwohl es genug Energieressourcen für viele Jahrzehnte gäbe, seien die hohen Energiepreise ein Hinweis auf die Anfälligkeit der weltweiten Energieversorgung, erläuterte er bei der Vorstellung des Reports in London.

In ihrem "Reference Scenario" geht die IEA bei gleichbleibender Politik und Technologie von einem Anstieg des weltweiten Primärenergieverbrauchs von 59 Prozent bis 2030 aus. 85 Prozent davon würden durch die emissionsstarken fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle gedeckt, zwei Drittel davon würden die Länder um Indien und China benötigen. Gleichzeitig steige die Ölnachfrage um 1,6 Prozent, wobei sich die Zahl der ölexportierenden Länder verkleinert und sich die Abhängigkeit somit erhöht. Der Gasverbrauch wird sich laut IEA bis 2030 verdoppeln, Kohle wird ihren Anteil weitestgehend halten. Während Kernenergie besonders in Asien einen Zuwachs haben wird, wird sich die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Energien zwar verdreifachen, aber 2030 immer noch nicht mehr als sechs Prozent Anteil an der Weltenergieproduktion haben.

IEA-Direktor Mandil wies darauf hin, dass diese Trends mit ambitionierter Politik durchaus umkehrbar seien. Ein alternatives Szenario ergab einen um zehn Prozent niedrigeren Energiebedarf und eine Emissionsreduktion um 16 Prozent. Aus diesem Grund müssten technologische Fortschritte bei der Produktion und dem Verbrauch von Energie erzielt werden, sagte Mandil. Um den wachsenden Energiebedarf zu decken, schlägt die IEA vor, 16 Billionen Dollar bis 2030 zu investieren, 568 Milliarden jährlich, insbesondere in den Stromsektor und in den Entwicklungsländern.

Für den General Chairman des World Council for Renewable Energy (WCRE), Dr. Hermann Scheer, ist es ein großes Rätsel, wie diese Vorschläge, unglaublich hohe Summen zumeist öffentlicher Gelder in die Beibehaltung und Erweiterung des jetzigen Systems fossiler Energien zu investieren, helfen werden, Armut, ökologische Katastrophen und Energieabhängigkeit zu reduzieren. "Es ist beschämend zu sehen, dass der Weltenergieausblick den erneuerbare Energien keinerlei wichtige Rolle für die Zukunft der Energieversorgung in bereits versorgten und unversorgten Gebieten zuspricht - zumindest bis 2030", zeigte sich der renommierte Experte enttäuscht. Anstatt zu mahnen, finanziellen Ressourcen zu einer lokalen, umfangreichen und dezentralisierten Nutzung von erneuerbaren Energien umzuleiten, bestärke der Weltenergieausblick darin, die Welt in eine fossile und nukleare Falle zu führen.