Diskussion

IEA fordert Überprüfung des deutschen Atomausstiegs

Die Internationale Energieagentur (IEA) mahnt Deutschland, den Atomausstieg zu überdenken. Die Kernkraft spiele in Zukunft eine Schlüsselrolle, "zum einen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, zum anderen aus Gründen des Klimaschutzes", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Die IEA stellt einem Bericht des Düsseldorfer "Handelsblattes" zufolge in der kommenden Woche ihren neuen so genannten "Welt-Energie-Ausblick" vor und misst darin dem Thema Atomkraft weitaus mehr Bedeutung bei als in den vorangegangenen Jahren. Damit erhalte die Debatte um die Kernenergie neue Nahrung. Die Bundesregierung ist in der Frage zerstritten.

"Natürlich muss jedes Land in der Energiepolitik seinem eigenen Pfad folgen. Wir wollen aber deutlich machen, dass die Kernenergie wichtige Chancen birgt", sagte Birol. Wenn die Politik nicht umsteuere, "wird unsere Energieversorgung schmutzig und teuer. Genau das müssen wir verhindern."

Erst am Montag hatte der frühere Weltbank-Ökonom Nicholas Stern in einem Bericht für die britische Regierung eindringlich vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Dem Stern-Bericht zufolge kann sich die Erde in den nächsten 100 Jahren um durchschnittlich bis zu fünf Grad erwärmen, wenn nichts gegen den Treibhauseffekt unternommen wird. Als dessen Auslöser gelten insbesondere die Kohlendioxidemissionen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die kohlendioxidfreie Energiegewinnung aus Kernenergie nach Ansicht Birols neue Bedeutung: "Zu einer klimaschonenden Energiepolitik gehört die Steigerung der Energieeffizienz, der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien - und die Nutzung der Kernkraft."

In der IEA haben sich 26 westliche Verbraucherstaaten, darunter auch Deutschland, zur Sicherung ihrer Energieversorgung zusammengeschlossen.