Schwierigkeiten

IEA-Chefökonom: Öl immer mehr politisches Druckmittel

Der Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, geht davon aus, dass auf die westlichen Ölkonzernen in den kommenden Jahren große Schwierigkeiten zukommen. Förderländer von Öl und Gas würden dieses immer mehr als politisches Druckmittel einsetzen.

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Berlin (ddp.djn/sm) - "Die westlichen Ölkonzerne sind in einer Identitätskrise", sagte Birol der Tageszeitung "Die Welt". "Es gibt zwar noch riesige Reserven, aber die sind vor allem in den Ländern des Nahen Ostens zu finden. Und zu denen haben sie keinen Zuggang." Dadurch gehe den Firmen die Geschäftsgrundlage verloren. "Sie werden zu Nischenanbietern auf dem Ölmarkt schrumpfen, denn sie haben keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr", sagte Birol.

Der Energieexperte beobachtet seit einigen Jahren den Trend, dass Öl und Gas immer mehr zu einem politischen Instrument werden. "Das sind schlechte Nachrichten für die Weltpolitik", sagte Birol. Die Förderung dieser Rohstoffe konzentriere sich auf immer weniger Länder wie Saudi Arabien, Iran, Irak, Kuwait, Arabische Emirate und Russland. "Das erhöht die Gefahr, dass Öl und Gas zu einem Druckmittel werden und steigert das politische Gewicht der Förderländer", sagte Birol.

Dass der Ölpreis bald wieder unter 50 Dollar geht, hält er für ausgeschlossen: "Die Märkte sind extrem nervös. Jede kleine Nachricht kann den Preis derzeit schlagartig nach oben treiben." Sollte eine richtige Krise eintreten wie etwa ein Krieg mit dem Iran, könnten die Ölpreise noch viel stärker nach oben schießen. "Mit fallenden Preisen zu rechnen wäre derzeit schon äußerst optimistisch", sagte Birol.