Platz 2 in Europa

Holzpellets: Überproduktion droht

Die Zeitschrift "Neue Energie", eine Publikation des Bundesverbandes WindEnergie e.V., weist infolge einer Umfrage auf eine mögliche Überproduktion von Holzpellets im kommenden Jahr hin. Die Herstellung von Holzpellets solle sich in Deutschland von 90.000 auf rund 260.000 Tonnen erhöhen. Nur in Schweden würde mehr produziert werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bundesweit zeichnet sich nach Schätzungen von Branchenexperten im kommenden Jahr eine Überproduktion umweltfreundlicher Holzpellets von bis zu 80.000 Tonnen ab. Der Grund dafür: Zum einen erweitern viele der bestehenden 15 Werke ihre Produktion, außerdem bauen ein halbes Dutzend Newcomer neue, teilweise sehr große Fertigungslinien auf. Nach einer Umfrage der Neuen Energie, an der sich 13 Produzenten und sechs Investoren beteiligten, wird sich der Output von heute 90.000 auf rund 260.000 Tonnen im Jahr 2003 erhöhen. Damit würde sich Deutschland an Österreich vorbei (120.000 Tonnen) auf den zweiten Platz in der europäischen Rangliste schieben, hinter Schweden (1,2 Millionen Tonnen) und noch vor Dänemark (250.000 Tonnen).

Die enormen Mengen werden die heimischen Produzenten aber kaum in deutschen Heizkellern unterbringen können. Nach einem überproportionalen Plus in den vergangenen beiden Jahren wird in Deutschland der Markt für Einzelöfen und Zentralheizungskessel im Jahr 2002 allenfalls stagnieren. So rechnet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit einem bundesweiten Absatz von 4600 Pelletsanlagen, im Vorjahr wurden im Segment mit einer installierten Wärmeleistung von bis zu 35 Kilowatt noch 4800 Stück verkauft. Das Bafa zahlt die Fördermittel in Höhe von 55 Euro je installiertem Kilowatt Kesselleistung aus, die über das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien der Bundesregierung gezahlt werden.

Insbesondere für die beiden nächsten Jahre gehen die Hersteller von Pelletsöfen und -kessel aber von weitaus höheren Absatzzahlen aus: Nach der seit Februar diesen Jahres gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) müssen bis Ende 2004 in privaten Haushalten alte Heizkessel ausgetauscht werden, die vor 1978 in Betrieb gegangenen sind. Experten erwarten, dass über zwei Millionen erneuert werden müssen. Die sich damit eröffnenden neue Marktpotenzialen erklären auch den sich abzeichnenden Boom beim Ausbau der Pelletsproduktionen.

Für das nächste Jahr erwarten die beiden Fachverbände, der Deutsche Energie-Pellets-Verband und der Pellet-Verband Deutschland, sowohl einen enormen Preiskampf als auch verstärkte Exportbemühungen der deutschen Hersteller.