Steigende Energiekosten

Holzdiebstahl nimmt offenbar dramatische Ausmaße an

Mit zunehmenden Energie- und Rohstoffkosten steigt offenbar bei vielen Menschen die Versuchung, sich in den Wäldern kostenlos mit Brennholz zu versorgen. Förster und Waldbesitzer melden hunderttausende Euro Schaden und klagen über Personalmangel. Die Leidtragenden sind die Käufer, deren bereits bezahltes Holz gestohlen wird.

Holzstapel© Andrea Sachs / Fotolia.com

Saarbrücken/Mainz (dapd/red) - Holzdiebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Jährlich entstehen den Waldbesitzern und Holzkäufern im Südwesten dadurch insgesamt wohl mehr als 100.000 Euro Schaden, wie die Umweltministerien und Waldeigner in Rheinland-Pfalz und im Saarland schätzen. Die anderen Bundesländer meldeten ähnliche Probleme.

Seit 2005 habe sich der Brennholzpreis auf aktuell 35 Euro pro Raummeter verdoppelt, zugleich habe die Zahl der gemeldeten Holzdiebstähle in Rheinland-Pfalz zugenommen, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Mainz auf dapd-Anfrage. 2011 und 2012 seien jeweils 1.000 Festmeter des Brennmaterials gestohlen worden. Das entspreche einem Schaden von 50.000 Euro im Jahr.

Schaden wahrscheinlich höher als erfasst

Bezogen auf die Verkaufsmenge von 3,4 Millionen Festmeter im vergangenen Jahr betrage der Anteil des entwendeten Brennholzes zwar weniger als ein Prozent. Bei dem verzeichneten Schaden handelt es sich allerdings nur um eine Untergrenze, die Staat und Gemeinden angeben, wie die Ministeriumssprecherin sagte. Hinzu kämen Diebstähle von bereits verkauftem Holz, die nicht gesondert erfasst würden.

Nach Angaben des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz lässt sich der Gesamtschaden, der durch Holzklau entsteht, überhaupt nicht schätzen. "Er ist wahrscheinlich größer, als alle glauben", sagte Geschäftsführer Wolfgang Schuh.

"Einfacher zu stehlen als Erdgas und Heizöl"

Auch in den saarländischen Wäldern kommt es immer häufiger zu Holzdiebstählen. Landesweit sei von mehreren Zehntausend Euro Schaden auszugehen, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Saarbrücken. Die Mitnahme von Holz zum Eigenbedarf sei zwar verboten, die steigenden Heizkosten ließen aber die Hemmschwelle sinken, sich des Brennstoffs illegal zu bemächtigen. "Brennholz ist einfacher zu stehlen als Erdgas und Heizöl", begründete die Ministeriumssprecherin die Zunahme.

Nach Angaben des saarländischen Privatwaldbesitzerverbands sind die Leidtragenden die Holzkäufer. Denn es werde insbesondere dort geklaut, wo das bereits bezahlte Holz aufgearbeitet am Weg liege und auf die Abholung warte. "Da beim Verkauf der Gefahrenübergang vom Waldbesitzer an den Käufer stattfindet, ist der Schaden nicht beim Verkäufer zu sehen, sondern beim Käufer, der dadurch häufig leer ausgeht", erläuterte Geschäftsführer Wolfgang Pester.

Förster fordern Landesregierung zum Handeln auf

An der Zunahme der Holzdiebstähle geben die Forstleute in Rheinland-Pfalz dem Land eine Mitschuld. In den vergangenen Jahren sei so viel Personal abgebaut worden, dass sich die Forstmitarbeiter nicht mehr nachhaltig um die Wälder kümmern könnten, klagte der Vorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Christoph Ferdinand.

In den vergangenen 15 Jahren sei das Personal um ein Drittel geschrumpft, und die verbleibenden 1.700 Beschäftigten würden älter und kränker, sagte Ferdinand. Hinzu komme eine bevorstehende Pensionswelle. "Bis 2020 werden wir 574 Leute verlieren", sagte der Gewerkschafter. Je weniger Forstleute in den Waldgebieten unterwegs seien, desto höher sei bei vielen Menschen offenbar die Versuchung, sich illegal mit Brennholz einzudecken.

Die Landesregierung reagiere lediglich mit Neueinstellungen in "homöopathischen Dosen", kritisierte Ferdinand. Dabei habe sich die zu bewirtschaftende Waldfläche pro Förster seit der Forstreform 2004 verdoppelt. Dadurch werde die Überwachung nochmals erschwert.