Hoher Benzinpreis: Zauberwort heißt Wasserstoff

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Gegen Benzinpreiskrisen wie zur Zeit ist ein Mittel in Sicht: Wasserstoff. Die neue und umweltfreundliche Energie wird schon in wenigen Jahren beginnen, herkömmliche Energieträger zu ersetzen und könnte damit auch Druck aus den Ölpreisen nehmen. Über diese Schlüsselstellung von Wasserstoff als Zukunftsenergie sind sich Wissenschaftler und Industrieunternehmen aus aller Welt einig. Auf der ersten Weltwasserstoffkonferenz HYFORUM 2000 machten sie in dieser Woche gemeinsam mit Politik und Bankenwelt klar: Wasserstofftechniken für tragbare Geräte wie Laptops, für den mobilen Betrieb von Autos und für den stationären Energiebedarf von Häusern kommen 2003 bis 2004. Noch in diesem Jahrzehnt will Island als erster Staat der Welt komplett von Benzin und Diesel auf Wasserstoff umstellen.


Wasserstoff kommt überall in der Natur vor: in Pflanzen, im Erdgas, im Wasser. Das Universum besteht zu 90 Prozent aus Wasserstoff. Ihn als Energieträger einzusetzen, ist technisch kein Problem - schon jetzt werden weltweit 500 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff jährlich produziert; das entspricht etwa dem halben Endenergiebedarf der Bundesrepublik Deutschland. Eingesetzt wird er in der chemischen Industrie, für Düngemittel zum Beispiel oder um Benzin zu veredeln. Energieversorger und Automobilindustrie arbeiten intensiv an der Energiewende hin zum Wasserstoff auch für die Stromerzeugung, für Hausheizungen und für den Verkehr.


Die Schlüsseltechnik dafür ist die Brennstoffzelle, ein Gerät, das aus Wasserstoff elektrischen Strom macht und dabei auch Wärme produziert. Im Keller von Wohnhäusern werden Brennstoffzellen herkömmliche Heizungen ersetzen und nicht nur heizen, sondern auch Strom erzeugen - mehr sogar als im Haus gebraucht wird. Die Automobilindustrie arbeite intensiv an ihrer Wasserstoff-Zukunft. Toyota kündigte auf dem HYFORUM 2000 ein Wasserstoffauto für 2003 an. In Deutschland arbeiten die großen Unternehmen an eigenen Konzepten. Dabei setzt DaimlerChrysler auf den Elektromotor mit Brennstoffzelle, BMW auf den Verbrennungsmotor mit Wasserstoff. Die weltweit erste Flotte von Wasserstoff-Autos hat BMW kürzlich vorgestellt. "Was wir vor uns haben", unterstrich Ford-Manager Verstappen, "ist eine Aufgabe von globalen Ausmaßen, die auch wir noch nicht voll realisieren. Was wir brauchen, ist ein politisch-privatwirtschaftlicher Runder Tisch für eine Investitionsaufgabe von geschichtlichen Ausmaßen."


In den mitteleuropäischen Ländern wird Energie vor allem zum Heizen von Räumen gebraucht. Um diese Heizungen schnell auf schadstofffreien Wasserstoff umzustellen, müssten die Kosten von Brennstoffzellen noch deutlich sinken. Dafür sorgten einerseits der technische Fortschritt und der Mengeneffekt. Andererseits müsse der Markt dazu angestoßen werden. Der Deutsche Wasserstoff-Verband fordert deshalb parallel zum 100 000-Dächer-Projekt der Bundesregierung für Solarstrom ein staatliches 100 000 Keller-Projekt für die Brennstoffzelle als Hausheizung der Zukunft, die zugleich Strom produziert.