Radar

Hohe Windräder stören den Wetterdienst

Mit dem Ausbau der Windkraft im Zuge der Energiewende haben die Konflikte zugenommen. Nach der Bundeswehr und dem Luftverkehr bekommt auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) zunehmend Probleme mit großen Windkraftanlagen. Die hohen Türme mit ihren rotierenden Flügeln stören nah gelegene Flugsicherungsanlagen, aber auch die Wetterradarsysteme des DWD.

Windrad© Robert Neumann / Fotolia.com

Emden/Offenbach (dpa/red) - So wird derzeit dringend ein neuer Standort für das Wetterradar an der Knock im ostfriesischen Emden gesucht. Es ist von Windkraftanlagen regelrecht umzingelt. "Solche Störungen sind inzwischen ein deutschlandweites Problem, vor allem im Norden", sagt Carmen Diesner vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

Die Schattenseiten der Windkraft

Inzwischen gibt es rund 25.000 Anlagen. Mal beschweren sich Anwohner über pulsierenden Lärm oder lästigen Schattenwurf der Rotoren. Schon lange protestieren Naturschützer gegen Anlagen in der Nähe von Naturschutzgebieten oder inmitten von Waldgebieten.

Forscher der Leibniz-Universität Hannover hatten im August mehr Untersuchungen angemahnt, um das Kollisionsrisiko von Fledermäusen besser einzuschätzen. Die fliegenden Säugetiere kommen an Windrädern ebenso um wie Raubvögel, die durch die Luftdruckunterschiede an den Rotoren getötet werden.

Konkurrenz in luftigen Höhen

Im Zuge der Erneuerung alter Windkraftanlagen durch stärkere Kraftpakete hat sich jetzt auch die Konkurrenz zu Radargeräten verschärft. Besonders an exponierten Stellen wie Hügeln kommt es zu Konflikten - wegen der immer höheren Türme und größeren Rotordurchmesser. Neue Bestimmungen erlauben im Umfeld von fünf Kilometern eines Wetterradars keine Windräder.

In einem Radius von 15 Kilometern dürfen deren Türme um das Wetterradar in Emden nicht höher als 75 Meter sein. "Wir wollen ja möglichst weit schauen", begründet Diesner den DWD-Anspruch auf die Lufthoheit. Immerhin gehe es um die hoheitliche Aufgabe der Wetterbeobachtungen, Vorhersagen und Unwetterwarnungen.

Die schnell drehenden Rotoren erscheinen auf dem Radar wie bewegte Objekte, sie simulieren quasi bewegte Wolken. Die abgefälschten Signale werfen manchmal Echos wie Niederschläge oder Gewitter. "Das Radar funktioniert, aber die Echos sind gestört. Wir sind praktisch blind und sehen nicht, welches Wetter da auf uns zukommt", sagt Diesner. An anderen DWD-Standorten gibt es ähnliche Probleme. Technische Lösungen sind noch nicht in Sicht. Es ist nicht einfach, Radartürme höher zu bauen.

Flugüberwachung meldet ebenfalls Probleme

Auch die militärische und zivile Flugüberwachung meldete Probleme an gestörten Radaren und Funkfeuern, etwa am Marinefliegerstützpunkt im niedersächsischen Nordholz und im ostfriesischen Wittmund. "Hinzu kommen Gefahren für Tiefflieger in Gebieten mit Windrädern", sagt Oberstleutnant Christoph Fischer vom Amt für Flugsicherung der Bundeswehr in Frankfurt.

Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie gelten insgesamt 208 betroffene Windenergieprojekte mit mehr als 3000 Megawatt Leistung als Problemfälle. In Streitfällen stehen langwierige Prüfungen an - und damit höhere Kosten für Windparkbauer.

Quelle: DPA