Ökologisch und wirtschaftlich

Hohe Kosten für Klimaschäden: Verband fordert solares Wärmegesetz

Laut DIW sind allein die ökonomischen Schäden aufgrund extremer Wetterereignisse um den Faktor 15 gewachsen und diese Kosten werden weiter steigen. Daher sprachen sich verschiedene Experten heute in Berlin für eine verstärkte und unmittelbare Nutzung der erneuerbaren Energien auch im Wärmebereich aus.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Knapp 600 000 Haushalte verfügen in Deutschland über eine eigene Solaranlagen zur Warmwasserbereitung und Heizung. Damit sind die vorhandenen Potenziale nach Einschätzung der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) bei weitem noch nicht ausgeschöpft. UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig forderte deshalb von der Bundesregierung heute in Berlin die baldige Verabschiedung eines solaren Wärmegesetzes. Dies könne entweder nach dem Vorbild des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Strombereich oder aber als Baupflicht gestaltet werden, vergleichbar mit den bestehenden Wärmeschutzauflagen bei der Gebäudesanierung.

Ein solches vom jährlichen Bundeshaushalt unabhängiges Fördersystem sei nötig, weil mit den geltenden Regelungen kein nachhaltiger Ausbau solarer Heiztechnik möglich ist, sagte Körnig. Im Bereich Solarstrom habe die seit Jahrsbeginn gültige Einspeisungsverordnung für einen deutlichen Schub gesorgt. Dagegen stagniere im Bereich Solarwärme die Zahl der Branchenarbeitsplätze bei 10 000 und der Jahresumsatz bei 550 Millionen Euro. Für den Ausbau von Solarfabriken sei größere Investitionssicherheit für die Hersteller und für die Entwicklung kostengünstiger Solarkollektoren nötig.

Körnig verwies angesichts steigender Preise für Heizöl und Gas auch auf die Einspareffekte für den Verbraucher. Schon eine kleine Solaranlage könne in ihrer Lebensdauer bis zu 10 000 Liter Öl sparen. Wer sich bei einer Heizungssanierung für die Installierung einer kombinierten Anlage aus traditioneller Heiztechnik und Solarkollektoren entscheide, könne die Heizkosten damit um 30 bis 50 Prozent senken. Der Gesamtbedarf eines Haushalts an Wärme zum Heizen und zur Warmwasserbereitung kann im Schnitt bis zu 60 Prozent durch Solarkollektoren gedeckt werden. Die Kosten für Heizöl sind in den vergangenen zehn Jahren um über 80 Prozent gestiegen.

Die UVS-Überlegungen werden von Experten auch aus ökologischer und gesamtwirtschaftlicher Sicht gestützt. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, betonte auf der Pressekonferenz des Verbandes, in Anbetracht der weltweiten Klimaprobleme, der begrenzten Reichweite von Öl und Gas sowie der hohen Abhängigkeit der Lieferungen aus politisch instabilen Regionen der Welt sei eine verstärkte und unmittelbare Nutzung erneuerbarer Energien auch im Wärmebereich vernünftig.

Hans-Joachim Ziesing, Experte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), warnte erneut vor den Folgen der wesentlich durch den Öl-, Kohle- und Gasverbrauch verursachten Treibhausemissionen. In den vergangenen 30 Jahren seien allein die ökonomischen Schäden aufgrund extremer Wetterereignisse um den Faktor 15 gewachsen. Das DIW rechnet für Europa in den kommenden Jahren mit deutlich wachsenden Kosten wegen Hitzewellen, Fluten und Stürmen.