Freigegebene Ölreserven

Hoffnung auf fallende Sprit- und Heizölpreise

Wegen der fallenden Rohölpreise hat der Automobilclub ADAC die Mineralölkonzerne zu Preissenkungen aufgerufen. Nachdem die Internationale Energieagentur (IEA) am Donnerstag angekündigt hatte, Ölreserven freizugeben, bestehe "Grund zur Hoffnung" auf fallende Spritpreise, sagte ein ADAC-Sprecher am Freitag.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

München/Berlin (afp/red) - Die IEA hatte am Donnerstag angekündigt, wegen der Unruhen in Libyen in den kommenden 30 Tagen 60 Millionen Barrel Öl (8,4 Millionen Tonnen) aus Notreserven freizugeben. Deutschland gibt laut Bundeswirtschaftsministerium aus seinen nationalen Vorräten 470.000 Tonnen dazu.

Ölpreis rapide gefallen

Nach der Bekanntgabe fiel der Preis der Nordsee-Sorte Brent bis Freitagmittag auf ein Viermonatstief von 105,80 Dollar je Barrel (159 Liter). Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) hatte bereits am Donnerstagnachmittag mit 90,30 Dollar den niedrigsten Stand seit einem Vierteljahr erreicht.

"Ein sinkender Ölpreis muss den Autofahrern zugute kommen", sagte der ADAC-Sprecher. Daran dürfe auch der Ferienbeginn in einigen Bundesländern und die damit einsetzende Reisewelle nichts ändern.

Die Diesel- und Benzinpreise waren in Deutschland zuletzt wieder angestiegen. In der vergangenen Woche kostete laut ADAC ein Liter Super E10 im Schnitt 1,53 Euro, ein Liter Diesel 1,42 Euro. Am Freitag zahlten die Autofahrer laut dem Automobilclub für einen Liter Super E10 im Schnitt 1,52 Euro. Diesel kostetet demnach weiter 1,42 Euro.

Die Hoffnung auf fallende Preise könnte sich auch für die Besitzer von Öl- oder Gasheizungen erfüllen. Bleibe der Rohölpreis niedrig, "dann hat das auch Auswirkungen auf die Folgeprodukte", sagte Analyst Mario Gruppe von der NordLB der Nachrichtenagentur AFP. Dann könnte es im Laufe der kommenden Wochen zu Effekten an den Zapfsäulen und beim Heizöl und mit Verzögerung auch beim Gas kommen.

Die Chancen dafür stünden gut, sagte Gruppe. Die Phase, in der sich der Rohölpreis in immer weitere Höhen schraubte, sei vor Donnerstag schon vorbei gewesen. Die Freigabe der Ölreserven habe deshalb eher eine psychologische Komponente. "Ich glaube schon, dass das nachhaltig wirkt", urteilte der Analyst.

Die Branche verspricht gar nichts

Die Mineralölbranche verzichtete allerdings darauf, purzelnde Preise zu versprechen - weder an den Tankstellen noch beim Heizöl. Entscheidend sei die Entwicklung von Angebot und Nachfrage nach Mineralölprodukten, wie sie in Rotterdam gehandelt würden, sagte eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV). "Ich kann nicht sagen, wie sich in den kommenden Tagen und Wochen die Nachfrage entwickelt, deshalb kann ich auch nicht sagen, wie die Entwicklung der Tankstellenpreise aussieht." Das Gleiche gelte für das Heizöl.

Dem Energieinformationsdienst (EID) zufolge fielen allerdings in Rotterdam die Preise bereits am Donnerstag. Das gängige Benzinprodukt Eurobob, aus dem die Sorte Super hergestellt wird, sowie Diesel und Gasöl hätten um rund vier Prozent nachgegeben. Da bedeute "Hoffnung für die deutschen Autofahrer und Heizölkunden", urteilte der EID.

Zuletzt hatte die IEA im Jahr 2005 infolge des Hurrikans "Katrina" die strategischen Ölreserven anzapfen lassen. Wie diesmal gaben die Mitgliedsstaaten auch damals insgesamt 60 Millionen Barrel aus ihren Reserven frei. Das sorgte für einen raschen Rückgang des Rohölpreises. Auch die Spritpreise ließen in den folgenden Wochen und Monaten nach.