Teuerung

Höhere Netzgebühren treiben Strompreis noch weiter

Der Strompreis steigt und steigt: Neben der deutlich höheren Ökostrom-Umlage treiben im nächsten Jahr auch die Netzgebühren den Strompreis in neue Höhen. Wie das Vergleichsportal Verivox am Donnerstag mitteilte, erhöhen die Netzbetreiber die Entgelte um durchschnittlich zehn Prozent.

Stromvergleich© Sergej Toporkov / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Einige erhöhten um gar 27 Prozent. Für die Stromrechnung könnte dies laut "Financial Times Deutschland" rund 30 Euro Mehrkosten pro Jahr bedeuten.

Die Netzentgelte müssen Stromkunden für die Durchleitung der Energie zahlen. Sie werden von den Stromnetzbetreibern, den sogenannten Verteilnetzbetreibern, erhoben. Von ihnen gibt es laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) derzeit rund 900 in Deutschland. Sie mussten bis zum 15. Oktober die voraussichtlichen Netzentgelte für das nächste Jahr veröffentlichen.

Netzentgelte fallen unterschiedlich hoch aus

Laut Verivox gibt es unter den Netzbetreibern hohe Unterschiede bei der Anhebung der Netzgebühren. Als Grund für die Erhöhungen machten die Netzbetreiber "in der Regel höhere Ausgaben für den Anschluss" von Ökostrom-Anlagen an das Stromnetz geltend.

Die Netzentgelte setzen sich wie der Strompreis aus mehreren Faktoren zusammen und können von Betreiber zu Betreiber unterschiedlich ausfallen. Sie machen auf der Stromrechnung letztlich rund 20 Prozent der Kosten aus. Eingerechnet in die Entgelte sind einige staatlich festgelegte Umlagen. Als ein anderer Bestandteil des Strompreises steigt 2013 bereits die Ökostrom-Umlage. Sie wird von rund 3,6 Cent je Kilowattstunde auf knapp 5,3 Cent angehoben. Für einen Durchschnittshaushalt steigt der Anteil für die Förderung der erneuerbaren Energien damit von 126 auf 185 Euro im Jahr.

Nicht nur die Energiewende sei schuld

"Für viele Verbraucher ist bei den Stromkosten in der Tat die Schmerzgrenze erreicht", sagte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) dem "Münchner Merkur" vom Donnerstag. Dies sei aber nicht nur dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) zuzuschreiben, ergänzte sie. Aigner kritisierte die Rabatte für Unternehmen bei der Ökostrom-Umlage.

Auch von den Netzentgelten kann die Industrie befreit werden. Die Bundesregierung verteile bei den Netzentgelten Befreiungen "wie Kamelle im Karneval", erklärte der energiewirtschaftliche Sprecher der Grünen, Oliver Krischer. Er kritisierte zudem, dass in die Netzentgelte demnächst auch die Kosten für fehlende Netzanbindungen von Offshore-Windparks einfließen sollen. Dabei trage die Bundesregierung die Verantwortung dafür, die den Bau der Windparks und der Anschlussleitungen nicht koordiniert habe.

Windparkbetreiber wollen Entschädigungen

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) plant inzwischen eine Reform des EEG, die den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Ausbau der Netze stärker in Einklang bringen soll. Als Folge mangelnder Netzkapazitäten für die Einspeisung ihres Stroms machen Betreiber von Windparks laut Bild.de Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe geltend. Wie das Internetportal unter Berufung auf ein Schreiben der Bundesnetzagentur an den CDU-Haushaltsexperten Norbert Brackmann berichtete, wurden allein 2010 Ausfallzahlungen von 10,2 Millionen Euro für nicht lieferbaren Strom fällig - Tendenz steigend.

Angesichts der steigenden Preise rufen Politiker und Verbraucherschützer die Stromkunden zum Anbieterwechsel auf. Dies sei eine wichtige Chance, den Wettbewerb anzuheizen und gleichzeitig selbst deutlich Kosten zu sparen.

Quelle: AFP