Preiserhöhung

Höhere Netzentgelte: Strompreise dürften steigen

Durch höhere Netzentgelte dürften auch die Strompreise für Verbraucher im kommenden Jahr steigen. Netzbetreiber Tennet wird die Preise deutlich erhöhen. Netzausbau und -stabilisierung müssen finanziert werden.

Energieversorgung© Ingo Bartussek/ Fotolia.com

Bayreuth – Stromkunden müssen sich im kommenden Jahr auf eine höhere Rechnung einstellen. Der Stromnetzbetreiber Tennet erhöht massiv seine Preise und begründet dies mit den Folgekosten der Energiewende. "Unsere Netzentgelte werden zum Jahreswechsel um 80 Prozent steigen", sagte Tennet-Chef Urban Keussen dem "Handelsblatt" (Freitag). Das schlägt am Ende auch auf die Stromrechnung durch.

Preiserhöhungen auch bei 50Hertz

Nach Angaben Keussens werde ein Drei-Personen-Haushalt rund 30 Euro mehr im Jahr bezahlen müssen. "Hauptursache für den Anstieg ist, dass der Netzausbau nicht so schnell voran kommt wie der Zubau der Erneuerbaren. Das muss uns alarmieren", sagte der Manager der Zeitung. Der Ausbau der Netze wird allerdings seit Jahren verzögert durch politischen Streit, lange Genehmigungsverfahren und Proteste entlang der geplanten Trassen.

Auch der Netzbetreiber 50Hertz will seine Netzentgelte im nächsten Jahr nach vorläufigen Berechnungen um rund 45 Prozent anheben. Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3000 Kilowattstunden bedeute die Erhöhung Mehrkosten von rund 15 Euro im Jahr.

Netzausbau und -stabilisierung nötig

Das Problem: Ohne einen deutlichen Netzausbau kommt die Energiewende nicht voran, Freilandleitungen sind vielerorts kaum durchsetzbar. Erdkabel sollen auf Dauer helfen. Ohne den Ausbau ist es schwierig, Sonnen- und vor allem den Windstrom aus dem Norden etwa nach Süden zu bekommen. Weil das Stromnetz mit den Schwankungen überfordert ist, fallen Milliarden-Kosten für die Gegenmaßnahmen an.

Der Löwenanteil des Anstiegs der Netzentgelte von Tennet gehe auf das Konto solcher "netzstabilisierenden Notmaßnahmen", sagte Keussen. "Nur fünf Prozent sind durch den Netzausbau begründet." Das zeige, dass die vielen Verzögerungen bei Bau neuer Stromnetze teurer seien als der Neubau von Masten und Leitungen selbst.

Engpass-Management ist ebenfalls teuer

Im Sommer 2015 etwa zeigten sich solche Probleme massiv: Während einer wochenlangen Hitzewelle erzeugten Photovoltaik-Anlagen im Norden Sonnenstrom in Hülle und Fülle, so dass konventionelle Kraftwerke ihre Leistung teils drastisch herunterfahren mussten, um das Netz zu stabilisieren. Für die Entschädigung an die Betreiber kommen die Verbraucher über die Netzentgelte ihrer Stromrechnung auf. Gut eine Milliarde Euro kostete das Engpass-Management 2015.

Bildlich gesprochen umfasst das Stromnetz Autobahnen, Bundes-, Land- und Gemeindestraßen, über die der Strom zur Steckdose kommt. Es gibt vier Betreiber von Höchstspannungsleitungen in Deutschland: Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW. Sie speisen den Großteil des Stroms ein und verteilen ihn über lange Distanzen. Hinzu kommen 806 Verteilnetzbetreiber, darunter viele Stadtwerke.

Quelle: DPA