Netzentgelt-Umlage

Höhe der neuen Strom-Zusatzkosten steht fest

Ab Januar müssen sowohl Verbraucher als auch Gewerbetreibende noch etwas tiefer in die Tasche greifen, was die Strompreise betrifft. Denn ab 2012 steigt die Netzentgelt-Umlage um 0,151 Cent pro Kilowattstunde, und dies wird bundesweit auf alle Kunden umgelegt. Die stromintensive Industrie kann sich davon jedoch befreien lassen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Bonn/Berlin – Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung zur neuen Netzentgelt-Umlage bekanntgegeben. Ab Januar 2012 müssen private und gewerbliche Stromabnehmer mit einem Verbrauch von unter 100.000 kWh pro Jahr eine zusätzliche Netzentgelt-Umlage von 0,151 Cent/kWh zahlen. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4.000 kWh entspricht dies einer Preissteigerung von knapp 1 Prozent, was zusätzliche Jahreskosten von etwa 7 Euro bedeutet.

Die kurzfristige Einführung der neuen Umlage stößt in der Energiewirtschaft auf breite Kritik. "Diese neue Regelung hat Auswirkungen auf die Höhe der Netzentgelte in nahezu allen Netzgebieten. Die Festlegung kommt so spät, dass kurz vor dem Jahreswechsel eine geordnete Neuberechnung der Netzentgelte kaum möglich ist. Die Vertriebsunternehmen können zudem die neue Umlage bei der Ermittlung der Strompreise für die Kunden nicht mehr zum Jahreswechsel berücksichtigen. Das ganze Verfahren ist für Kunden und Energieunternehmen unzumutbar", so Hildegard Müller, Vorsitzende des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Stromintensive Industrie kann Befreiung beantragen

Hintergrund der neuen Umlage ist eine Änderung der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV). Bisher wurden verbrauchsintensiven Betrieben sowie Verbrauchern mit Heizstrom vergünstigte Netznutzungsentgelte gewährt. Die dadurch versäumten Erlöse wurden von den Netzbetreibern auf alle anderen Verbraucher im jeweiligen Netzgebiet umgelegt. Im Juli 2011 beschloss die Bundesregierung, dass Großverbraucher eine vollständige Befreiung von den Netzentgelten beantragen können. Die den Netzbetreibern entgangenen Entgelte sollen nun nicht mehr auf die Verbraucher im jeweiligen Netzgebiet, sondern bundesweit umgelegt werden. Ursprünglich war dies auch für die Rabatte geplant, die Heizstromnutzern eingeräumt werden. Die Gesamtkosten der Befreiung wurden auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt, was einer Umlagenhöhe von 0,467 Cent/kWh für 2012 und von 0,161 Cent/kWh für 2011 entsprochen hätte.

Die Bundesnetzagentur hat jedoch beschlossen, dass das neue System nicht mehr rückwirkend für 2011, sondern erst ab 2012 gültig wird. Die Rabatte für Heizstromkunden sollen nach wie vor in den örtlichen Netzentgelten abgerechnet werden. Damit bleiben nur die Gebührenbefreiungen und Rabatte für die stromintensiven Betriebe, die auf die anderen Verbraucher umgelegt werden. Die Bundesnetzagentur schätzt das Volumen dieser Vergünstigungen mit 440 Millionen Euro ein.