Bundesweites Vorzeigeprojekt

Höchstes Windkraftrad der Welt im Morbacher Energiepark

Es wird der Wolkenkratzer unter den Windkrafträdern: Auf einer 160 Meter hohen Säule sollen drei gigantische Rotorblätter ihre Runden drehen - jedes davon 50 Meter lang. "FL 2005" nennt sich das Riesen-Windrad, dass im kommenden Frühjahr in der Hunsrück-Gemeinde Morbach in Betrieb gehen soll.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Morbach (ddp-rps/sm) - "Mit einer Gesamthöhe von 210 Metern wird es das höchste Windkraftrad der Welt", sagt Christian Hinsch von der Mainzer Firma Juwi, die das Projekt betreut. Kosten werde der Bau rund 3,5 Millionen Euro. 13 Windräder schaufeln bereits Wind über den bewaldeten Hügel nahe Morbach. Mit einer Höhe von bis zu 140 Metern sind sie erheblich kleiner als das nun geplante Riesen-Windrad. Nicht ohne Grund: Das Neue wird nämlich nicht hoch oben auf einer Kuppe stehen, sondern an einem Abhang. Damit die Rotorblätter aber an jene Luftschichten gelangen könnten, wo sich Wind wirtschaftlich ernten lasse, müsse die Konstruktion entsprechend höher sein, erklärt Hinsch. Denn anders als an der Küste oder auf offener See gelte im Binnenland: "Je höher die Luftschicht liegt, desto stärker bläst der Wind." Pro Jahr soll der Energiegigant nach Angaben der Firma Juwi rund sechs Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.

"Das Riesen-Rad stellt den Anfang einer neuen Generation von Windkrafträdern da", betont Hinsch. Er rechne damit, dass in den kommenden zwei Jahren sogar noch höhere Windräder aufgestellt werden. "220 bis 225 Meter sind durchaus realisierbar." In Morbach bleibe die Riesen-Variante aber einstweilen die Ausnahme.

Seit fünf Jahren entwickelt sich der 11 000-Einwohner-Ort Morbach im Hunsrück zu einer bundesweiten Vorzeigegemeinde in puncto regenerativer Energieerzeugung. Auf einem 150 Hektar großen Gelände vor den Toren der Stadt, einst das größte Bombenlager der US-Armee, entsteht nach und nach die "Morbacher Energielandschaft". "Der Einsatz der kompletten Bandbreite an alternativen Energiequellen ist einmalig in Deutschland", unterstreicht Theodor Gätz, Büroleiter im Morbacher Rathaus. Mit Biomasse-Heizwerk, Solarzellen und Windrädern werde jährlich genug Strom generiert, um sämtliche Morbacher Haushalte zu versorgen, ausgenommen die Industriebetriebe. Allerdings werde der Strom nicht an Ort und Stelle verwendet, sondern in das Stromnetz des Versorgers RWE eingespeist.

Die Bevölkerung ist stolz auf ihren Energiepark. Die Stadt, so Gätz, erwarte durch diesen nicht nur Pachteinkünfte, sondern vor allem die Ansiedlung neuer Unternehmen. Erst vor zwei Wochen hatte der Gemeinderat einstimmig dem Bau des Riesen-Windrads zugestimmt. Angst vor einer Verspargelung der Landschaft durch die vielen Windräder hätten die Morbacher nicht. "Unser Vorteil ist, dass alle Anlagen auf einem Gelände stehen und nicht wie andernorts wild verstreut emporragen", erklärt der Mann aus dem Rathaus.