Fukushima

Höchste Radioaktivität seit Erdbeben im März gemessen (Upd.)

Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima wurde jetzt die höchste radioaktive Strahlung seit dem Erdbeben im März gemessen. Erneut hat die Regierung daraufhin die Strahlengrenze nach oben korrigiert. Und Japan kommt nicht zur Ruhe: Am Wochenende bebte die Erde erneut.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/London(dapd/red) - "Die Messwerte sind schockierend, aber nicht überraschend" - So reagierten internationale Atomexperten auf die extrem hohen Strahlenwerte, die die Betreiberfirma des havarierten Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi, Tepco, am Montag veröffentlich hat. Drei Arbeiter hätten an der Oberfläche eines Gasabzugsrohrs zwischen Block 1 und 2 des Kraftwerks "über 10 Sievert in der Stunde" gemessen, schrieb Tepco in einer Pressemitteilung - unter "Verschiedenes", im vorletzten Absatz, wie nebenbei.

Das ist die höchste Radioaktivität, die außerhalb der Gebäude seit der Atomkatastrophe festgestellt wurde. Dass es sich dabei nicht um einen einmaligen Messwert handelte, wurde am Dienstag klar: An einer anderen Stelle des Rohr stellte Tepco erneut "über 10 Sievert" in der Stunde fest.

"Es ist erschreckend, weil wir hier über eine tödliche Dosis sprechen», sagte der britische Berater für Atomenergie Shaun Burnie der Nachrichtenagentur dapd. «Aber ich bin eher überrascht darüber, dass nach den heftigen Explosionen in Fukushima noch nicht früher solche Werte gemessen wurden."

Ausweitung der Messungen gefordert

Der in Paris lebende Energie- und Atomexperte Mycle Schneider fordert schon seit Monaten eine Ausweitung der Messungen. "Man kann nur Radioaktivität feststellen, wo und wenn man misst. Nicht nur Tepco misst nicht genug, alle Beteiligten messen nicht genug", beklagte Schneider. "Die Anzahl der Messstellen und Labors müsste dramatisch ausgeweitet werden."

Die Betreiberfirma Tepco, die schon vielfach wegen schlechter Informationspolitik kritisiert wurde, hielt sich auch in diesem Fall zurück. Erst nachdem die japanische Presseagentur Jiji Press über die Messwerte berichtet hatte, legte Tepco diese ihrerseits offen. Allerdings geht aus den knappen Zeilen kaum etwas über die Herkunft der gemessenen Radioaktivität hervor. Wo die eigentliche Strahlenquelle liegt, ist deshalb noch unklar.

Strahlung könnte seit März so stark sein

Sven Dokter, Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), hält es für unwahrscheinlich, dass aus einem neuen Leck Radioaktivität austritt. "Die anderen Messwerte auf dem Gelände haben sich seit Tagen nicht verändert," sagte Dokter der Nachrichtenagentur dapd. "Das deutet darauf hin, dass Tepco einfach an dieser Stelle zum ersten Mal gemessen hat und dass es da schon seit März so gestrahlt hat."

Möglich wäre folgendes Szenario: Die beiden Blöcke 1 und 2 teilen sich einen Abluft-Schornstein. Diese wurden benutzt, als in den ersten Tagen nach dem Super-GAU die sogenannten "Ventings" stattfanden - also kontrollierte Entlüftungen der Sicherheitshüllen um die Reaktoren. Dabei war massiv Radioaktivität entwichen. Teile davon könnten dort im Rohr sein, an dem jetzt gemessen wurde.

Neues Leck ist "ebenso plausibel"

Atomexperte Shaun Burnie hält jedoch ebenfalls für denkbar, dass die Strahlenquelle "frischer" ist. "Wenn diese Radioaktivität von Anfang an dort so hoch gewesen wäre, hätte sie eigentlich schon früher bei einer anderen Messung in der Umgebung festgestellt werden müssen", sagte er. "Ebenso plausibel ist ein neues Leck durch die Stürme und Regenfälle der vergangenen Wochen, und dadurch eine neue Freisetzung."

Tepco versprach am Dienstag, die Messstelle abzuriegeln. In diesem Teil des Geländes seien derzeit keine Arbeiten notwendig. Von einer Ausweitung der Messungen sagte die Betreiberfirma nichts. "Dabei muss die Priorität jetzt der Schutz der Arbeiter sein", sagte Burnie und prognostizierte: "Sie werden noch weiterhin solche katastrophalen 'Überraschungen' finden - noch monatelang, wahrscheinlich jahrelang."

Erneut Erdbeben in der Region

Erneut hat ein starkes Beben den Nordosten des Landes erschüttert. Am Sonntag hatte die Erde mit einer Stärke von 6,5 auf der Richterskala gebebt. Eine Tsunami-Warnung gab es aber nicht. Neue Schäden am Atomkraftwerk von Fukushima scheint es nicht gegeben zu haben.