50 Prozent Wirkungsgrad

Hochmodernes Kraftwerk wird in NRW getestet

Im E.ON Kraftwerk Gelsenkirchen-Scholven testen derzeit 13 europäische Energieversorger und Hersteller unter Federführung der EU-Kommission, ob sich ein konventionelles Kraftwerk mit einem Wirkungsgrad von mehr als 50 Prozent realisieren lässt. Der 20 Millionen Euro teure Testlauf soll 2009 abgeschlossen sein.

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Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - In Nordrhein-Westfalen werden derzeit die Weichen für die Entwicklung eines hochmodernen Kohlekraftwerks gestellt. Im E.ON-Kraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven testen 13 europäische Energieversorger und Hersteller zusammen mit der Europäischen Kommission die technischen Voraussetzungen, um ein Kraftwerk mit einem Wirkungsgrad von mehr als 50 Prozent zu bauen.

Bisher maximal möglich ist ein Wirkungsgrad von 46 Prozent, wie Gerd Jäger, Vorsitzender des Verbandes der Kraftwerksbetreiber (VGB PowerTech) am Montag in Düsseldorf erläuterte.

Der 20 Millionen Euro teure Testlauf soll bis 2009 abgeschlossen sein. Mitte des nächsten Jahrzehnts könnte dann das erste moderne Kraftwerk realisiert werden, wie Jäger betonte. Sein Verband koordiniert den Testlauf in Scholven. Mit der neuen Technik soll es möglich sein, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in Kohlekraftwerken weiter zu reduzieren. Langfristiges Ziel der Kraftwerksbetreiber ist dabei der Bau eines kohlendioxid-freien Kraftwerks. Dazu seien die nun laufenden Tests "ein wichtiger Baustein", sagte Jäger weiter. Mit 56 Prozent tragen den Hauptanteil der Kosten die beteiligten Kraftwerksbetreiber. Weitere vier Prozent steuern die Herstellerfirmen zu. Sechs Millionen Euro kommen von der Europäischen Kommission.

Zur Erhöhung des Wirkungsgrades müssen die Temperatur und der Druck des Dampfes erhöht werden, der im Kessel eines Kraftwerks erzeugt wird, wie Jäger erläuterte. So muss die Temperatur von bisher möglichen 600 auf 700 Grad Celsius steigen. Der Druck liege dann bei bis zu 350 bar. Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat einen Druck von zwei bar. Die Herausforderung des Tests sei, Werkstoffe zu entwickeln und einzusetzen, die diesen Beanspruchungen auf Dauer standhielten.

Jäger rechnet derweil nicht damit, dass sich das von der Landesregierung angestrebte Aus für den subventionierten Steinkohlebergbau in NRW negativ auf die Kraftwerksentwicklung auswirken wird. Diese sei unabhängig von der Quelle des Rohstoffs. Landesenergieministerin Christa Thoben (CDU) begrüßte, dass mit dem Projekt ein Schritt zu einer weiteren Effizienzsteigerung von Kohlekraftwerken gegangen werde. Bereits bis zum Jahr 2012 wollen die Energieversorger mehr als fünf Milliarden Euro in die Erneuerung der Kraftwerke in NRW investieren. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Reiner Priggen, warf der schwarz-gelben Landesregierung indes vor, keine energiepolitischen Konzepte und Ideen zu haben. So gehöre angesichts der Lage auf den Energiemärkten die Zukunft den erneuerbaren Energien. Dazu habe Thoben aber kein Wort fallen lassen.

Von Wibke Busch