Kühlprobleme

Hitzewelle zwingt Kraftwerke in die Knie

Wegen der anhaltenden Hitzewelle wird die Stromversorgung in Deutschland offenbar zunehmend schwieriger. Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" haben bereits Energieversorger den Betrieb einzelner Kraftwerke wegen Kühlwasserproblemen reduziert.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - So habe der größte deutsche Energiekonzern E.ON den Betrieb des Atomkraftwerks Unterweser in Niedersachsen auf zeitweise bis zu 30 Prozent der möglichen Leistung gedrosselt. Auch ein großes Steinkohle-Kraftwerk der Steag im nordrhein-westfälischen Voerde müsse wegen der drohenden Überhitzung des Rheins die Kühlwasser-Entnahme einschränken. "Das Kraftwerk wird stundenweise um ein Drittel runtergefahren", bestätigte ein Steag-Sprecher dem Blatt.

Gleichzeitig steigt dem Bericht zufolge nach Aussage eines RWE-Sprechers der Strombedarf wegen der Hitze. Hält sie weiter an, könne die Stromversorgung wie beim vergangenen "Jahrhundertsommer" 2003 deutlich beeinträchtigt werden. Wegen fehlenden Kühlwassers habe damals eine ganze Reihe von Kraftwerken ihren Betrieb drosseln müssen. Der baden-württembergische Energieversorger EnBW rief die Bevölkerung damals sogar zum Stromsparen auf.

Betroffen von der Hitze sind den Angaben zufolge zunächst Atomkraftwerke, die keine Kühltürme haben und deshalb auf den direkten Gebrauch von Flusswasser zu Kühlzwecken angewiesen sind. Bei E.ON sind dies die Atomkraftwerke Unterweser und Isar 1 bei München. Während das bayerische Kernkraftwerk vorerst noch auf 100 Prozent läuft, hat E.ON den Betrieb des niedersächsischen Meilers zur Zeit auf 30 bis 70 Prozent reduziert, weil sich die Wassertemperatur der Weser bereits einem kritischem Punkt nähert. Am Dienstag sei im Fluss eine Temperatur von 25 Grad Celsius gemessen worden. Ab 25,5 Grad müsse die Leistung auf unter 30 Prozent reduziert werden, schreibt die Zeitung.

Wie heute bekannt wurde, haben Vattenfall und E.ON auch die Leistung ihrer Atomkraftwerke an der Elbe zurückgefahren. Im Kernkraftwerk Krümmel wurde die Leistung um 25 Prozent, in Brunsbüttel um 20 Prozent und in Brokdorf um fünf Prozent gedrosselt, teilte eine Sprecherin des schleswig-holsteinischen Sozialministeriums am Donnerstag in Kiel mit. Grund sei das derzeit 26 Grad Celsius warme Elbwasser, das als Kühlwasser verwendet wird. Durch die Nutzung des Flusswassers würde sich die Elbe weiter aufheizen, was schädliche Folgen für Fische und andere Lebewesen haben könnte.

Die Rückgabetemperatur des Elbwassers darf nach der jeweiligen wasserrechtlichen Erlaubnis eine maximale Temperatur von 33 Grad Celsius für Brokdorf und Brunsbüttel sowie 30 Grad Celsius für Krümmel nicht überschreiten. Die Stromversorger hoffen nun auf eine Wetterabkühlung, ansonsten sei eine erneute Drosselung der Kraftwerke nicht ausgeschlossen. Die Versorgung für den Kunden ist nach Angaben eines Vattenfall-Sprechers allerdings sichergestellt.