Vor dem Start

Hinter den Kulissen der neuen Frankfurter Solarfabriken

In den beiden Depandancen von Conergy und First Solar in Frankfurt an der Oder geht es schon hoch her. Die beiden großen Solarfabriken starten im Sommer und sollen fast 1500 Menschen Arbeit geben. Neu für Brandenburg ist ein 12-Stunden-Arbeitszeitmodell.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Oder (ddp/sm) - Steffen Gattschau prüft eine knapp 16 mal 16 Zentimeter messende Solarzelle. Dann lötet er mehrere dieser bläulich glänzenden, hauchdünnen Quadrate zusammen. "Wir stellen hier Dummy-Solarmodule her, um die Maschinen auszuprobieren", sagt der 34-Jährige. Der Fernsehtechniker aus Buckow in der Märkischen Schweiz gehört zu den ersten 140 Mitarbeitern, die in der künftigen Solarfabrik der Hamburger Conergy AG in Frankfurt an der Oder angestellt wurden. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Betriebsklima", sagt er.

Gelände der Chipfirma passt offenbar perfekt

Seit dem Herbst hatte Conergy das ursprünglich für die Chipproduktion gebaute Gebäude nahe der Autobahn 12 zur Solarfabrik umgebaut. Die Investitionskosten beliefen sich auf rund 250 Millionen Euro, sagt am Montag der Frankfurter Projektmanager Sylvere Leu. Draußen vor dem lang gestreckten Gebäude sind dutzende Bagger, Kipper und Raupen unterwegs, die den Parkplatz und Wege anlegen. Laster liefern Maschinen an, die drinnen installiert und erprobt werden.

In der mit einem schwingungsfreien Boden ausgestatteten, fußballfeldgroßen Halle im Inneren der Fabrik werden laut Leu vier Linien zur Solarzellenproduktion aufgebaut, die anschließend eine Etage tiefer - dort wo Gattschau arbeitet - zu Modulen verschweißt werden. Das Gebäude der Chipfabrik sei "topoptimal" für die Nutzung als Solarfabrik, sagt der aus der Schweiz kommende Manager. In den Umbau sei nur ein Bruchteil der Investitionskosten geflossen. Das meiste Geld werde in die Maschinen investiert.

Nach dem für August geplanten Start solle die Produktion bis Anfang 2008 auf rund 250 Megawatt pro Jahr hochgefahren werden. "Wenn ich diese Menge zehn Jahre produziere, dann habe ich die Leistung eines Atomkraftwerks erreicht", umreißt Leu die Kapazität der Frankfurter Fabrik. Die Zahl der Mitarbeiter soll nach Angaben des kaufmännischen Projektleiters Stefan Heyn bis Jahresende auf 500 steigen und mittelfristig 1000 erreichen. "Wir haben um die 8000 Bewerbungen erhalten", sagt Heyn.

"Größter Dünnschichtmodulhersteller der Welt"

Nur wenige Kilometer weiter steht die neu gebaute Frankfurter Fabrik des US-Unternehmens First Solar, das seinen Sitz in Phoenix/Arizona hat. Hier läuft die Produktion quasi schon, allerdings erst im Testbetrieb, wie Produktionsleiterin Roswitha Biermann erläutert. Während Conergy klassische Solarzellen auf Siliziumbasis produzieren wird, werden bei First Solar in einer rund 800 Meter langen Halle Dünnschichtsolarmodule hergestellt.

"Wir sind der größte Dünnschichtmodulhersteller der Welt", sagt der Geschäftsführer der First Solar GmbH, Stephan Hansen. Die Produktionszeit vom puren Glas bis zum fertigen Modul dauere hier nicht einmal drei Stunden. Die Jahreskapazität solle bei rund 120 Megawatt liegen. Rund 115 Millionen Euro habe First Solar in die Frankfurter Fabrik investiert, davon seien 45,5 Millionen Euro Fördermittel. Für Juli sei die offizielle Einweihungsfeier geplant. Bei vollem Betrieb sollen hier über 400 Menschen arbeiten. Rund 4000 Bewerbungen seien eingegangen.

"Wir arbeiten schon jetzt sieben Tage die Woche rund um die Uhr", sagt Biermann. Ungewöhnlich für Brandenburg sei die Arbeitszeit von zwölf Stunden. Dafür seien die Arbeitswochen kürzer und die Mitarbeiter hätten dann mehrere Tage frei. Für Eltern soll das Arbeiten in den Frankfurter Chipfabriken nicht zum Problem werden. Gegenwärtig planen die Stadtverwaltung und Conergy gemeinsam die Einrichtung einer Betriebs-Kita, wie Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) sagt.