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MilliardenprojektMit einem Milliardenprojekt wollen neun europäische Länder den Ausbau erneuerbarer Energien forcieren. Mehrere Nordsee-Anrainer, darunter Deutschland, wollen ihre Ökostromprojekte bündeln und dafür ein gemeinsames Hightech-Stromnetz schaffen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.
München (afp/red) - Binnen zehn Jahren sollten Tausende Kilometer Hochspannungs-Unterseekabel in der Nordsee Windparks auf hoher See vor der deutschen und britischen Küste mit Wasserkraftwerken in Norwegen, Gezeitenkraftwerken an der belgischen und dänischen Küste sowie Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland verbinden. Die Kosten würden auf bis zu 30 Milliarden Euro beziffert.
Bislang ist die Unbeständigkeit der Ressourcen das größte Problem für den Ausbau erneuerbarer Energieen. Der Vorteil des neuen Netzes ist, dass künftig zum Beispiel Strom aus Windenergie bei zeitweiser wetterbedingter Überproduktion leichter von einem Land an ein anderes abgegeben werden kann. So könne etwa Strom zur Speicherung nach Norwegen geschickt werden, wo die Energie mittels Pumpspeichern mit einem gewissen Verlust konserviert werden kann.
Der Fachbereichsleiter Energie beim Institut für Energie- und Umweltforschung (IfEU) in Heidelberg, Martin Pehnt, hält die Schaffung eines länderübergreifenden Stromnetzes insbesondere wegen des wachsenden Anteils der Windenergie für notwendig. Die Produktion von Windstrom kann im Tagesverlauf stark schwanken. Deswegen sei eine Vernetzung über möglichst viele Staaten sinnvoll, um die Energie besser verteilen zu können.
Vor Europas Küsten setzen Konzerne derzeit Windräder mit einer Gesamtkapazität von 100 Gigawatt auf riesigen Stahlfüßen ins Meer. Das entspricht zehn Prozent des gesamten europäischen Energiebedarfs und der Leistung von 100 großen Kohlekraftwerken. Der Experte für Erneuerbare Energien von Greenpeace, Sven Teske, sagte der Zeitung: "Das bestehende Stromnetz kann gar nicht mehr aufnehmen, was die neuen Windparks einspeisen." Ein Ausbau des bestehenden Netzes sei dringend nötig.
Zu den Gründern der Initiative zählen Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen. Bereits im Dezember einigten sich die Länder grundlegend auf eine Kooperation. Die Staaten hoffen innerhalb von zehn Jahren ein solches Hochspannungsnetz umsetzen zu können, zitierte die "SZ" Angaben aus Regierungskreisen.
Das Stromnetz-Projekt der Nordsee-Anrainer erhöht den Druck auf Energiekonzerne wie E.ON und Vattenfall. Wenn die Länder ihren Ökostrom besser verteilen und sogar speichern können, verlieren konventionelle Kohle- und Atomkraftwerke schneller an Bedeutung. Allerdings sollen gerade diese Konzerne einen Großteil der Kosten tragen, so die "Süddeutsche Zeitung". Die führenden europäischen Energieversorger und Netzbetreiber sollen an den künftigen Verhandlungen teilnehmen.
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