HEW steigert Stromabsatz um 70 Prozent / Ergebnis stagniert

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com
"Die HEW hat ihre gute Position am deutschen Strommarkt im vergangenen Jahr weiter deutlich ausgebaut", zeigt sich HEW-Vorstandssprecher Dr. Manfred Timm erfreut. Zum Jahresende beläuft sich der Absatzverlust in Hamburg über alle Kundengruppen auf etwa 2,5 Prozent. Gleichzeitig habe die HEW außerhalb Hamburgs erhebliches Kundenpotenzial hinzugewonnen. In Frankreich habe die HEW Geschäftskunden mit einem Vertragsvolumen von mehr als 1 Milliarde Kilowattstunden (kWh) unter Vertrag, so Timm weiter.


Der gesamte Stromabsatz ist im vergangenen Jahr um fast 70 Prozent auf etwa 29 Milliarden kWh gestiegen (1999: 17,5 Milliarden kWh, 1998: 13,8 Milliarden kWh). Außerhalb Hamburgs habe die HEW zwischen den Verbundpartnern und den durch den liberalen Markt ermöglichten neuen Verbundgeschäften, Vermittlungsgeschäften (Arbitrage) und Lieferungen an neue Kunden mehr als 17 Milliarden kWh Strom abgesetzt, verdeutlicht Timm. Das Strom-Handelsvolumen habe in 2000 etwa 55 Milliarden kWh betragen, von denen mehr als 12 Milliarden kWh auch physisch geliefert wurden. Der Umsatz der HEW AG liegt im Jahr 2000 mit etwa 3,1 Milliarden DM um etwa 300 Millionen DM über dem des Vorjahres. Das operative Ergebnis ist im ersten Halbjahr 2000 aufgrund der Preisnachlässe von weit über 200 Millionen DM noch rückläufig gewesen. Das dritte Quartal habe die Kehrtwende gebracht. Die Konsolidierung bei den Preisen sowie Buchgewinne durch den Anteilsverkauf von HanseNet und zusätzliche Sparbemühungen führen dazu, dass das Unternehmensergebnis gegenüber dem Vorjahr insgesamt stabil sein wird, freute sich Manfred Timm.


Deutliche Kritik übte Timm an den dirigistischen staatlichen Maßnahmen, die reregulierend in den erst seit zweieinhalb Jahren liberalisierten Strommarkt eingriffen. Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK), das seit Mai 2000 in Kraft ist, solle seiner Grundidee nach die "stranded investments" bestehender KWK-Anlagen retten. Es mache den Netzbetreiber zu einem Quasi-Erzeuger, indem es ihn zur Abnahme von KWK-Strom zu marktabgekoppelten Preisen von 9 Pfennig pro kWh verpflichte. Die erzwungenen hohen Bezugskosten müsse der Netzbetreiber per Umlage in Form von erhöhten Netznutzungsgebühren an alle seine Vertriebspartner weitergeben. Für den HEW-Vertrieb bedeute dies eine jährliche Kostenmehrbelastung von 100 Millionen DM. Wenn das KWK-Ausbaugesetz, das derzeit in der politischen Diskussion ist, verabschiedet werde, würde mit Hilfe einer Quote massiv bundesweit in die Kraftwerksstrukturen eingegriffen und über 30 Prozent des erzeugten Stromes dem Marktgeschehen entzogen, beschwerte sich Timm. Und auch mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müsse sich die HEW über einen bundesweiten Lastenausgleich in erheblichem Maße an der Subventionierung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in ganz Deutschland beteiligen. Diese Maßnahme koste den HEW-Vertrieb jährlich etwa 60 Millionen DM.