Statement

Hessen will Biblis B nicht als Kaltreserve

Das Atomkraftwerk Biblis B soll nach Ansicht der hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich nie wieder ans Netz gehen. "Wir wollen Biblis B als Kaltreserve nicht", sagte die CDU-Politikerin am Montag in Wiesbaden. Der Meiler ist laut einem Bericht stark störanfällig beim Wiederanfahren.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Wiesbaden (dapd/red) - Die Ministerpräsidenten aller Länder hätten bereits Anfang Juni klargestellt, dass eine Kaltreserve nach Möglichkeit durch konventionelle Kraftwerke und nicht über Kernkraft sichergestellt werden sollte.

"Ein solches Kraftwerk wieder ans Netz zu nehmen, ist nicht vermittelbar", sagte die Politikerin. Zuvor hatten die Grünen im Landtag ein klares Nein von der Landesregierung zur Nutzung von Biblis B als Reservereaktor gefordert. Die Partei nannte Biblis B den störanfälligsten Reaktor in Deutschland.

Die Grünen beziehen sich dabei auf eine Antwort des Bundesumweltministeriums an die Grüne-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl. Daraus geht hervor, dass von 1991 bis zum 5. August dieses Jahres 86 sogenannte meldungspflichtige Ereignisse beim Anfahren oder Wiederanfahren der 17 deutschen Reaktoren eintraten. Spitzenreiter ist demnach Biblis B mit 21 Ereignissen vor Biblis A mit neun Meldungen. Auf Platz drei folgt Philippsburg 1 mit acht Störungen.

Ende August soll Kaltreserve feststehen

Den Grünen zufolge ist besonders auffällig, dass sich 10 der 21 Störfälle in Biblis B in der Zeit von 2009 bis 2011 ereigneten, also in den letzten zwei Jahren. "Es wäre geradezu absurd, ausgerechnet dieses Atomkraftwerk zur Kaltreserve zu machen", warnte der Fraktionsvorsitzende Tarek Al-Wazir.

Die "Frankfurter Rundschau" (Montagsausgabe) hatte zuvor berichtet, weil Bayern und Baden-Württemberg ihre Kernkraftwerke nicht als Kaltreserve nutzen wollten, stehe von den Atommeilern nur noch Biblis B zur Debatte. Die SPD im Landtag erklärte deshalb, dass der Reaktor offenbar als Kaltreserve ausgewählt werde, liege an der atomfreundlichen Politik der Landesregierung. Biblis B sei als Reservereaktor völlig ungeeignet.

Derzeit prüft die Bundesnetzagentur laut Umweltministerium noch, ob ausreichend konventionelle Erzeugungskapazitäten vorhanden sind, um auch im kommenden Winter die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Experten befürchten, dass es durch die Abschaltung der Altreaktoren im Herbst und Winter vor allem in Süddeutschland zu Netzzusammenbrüchen kommen könnte.

Im Gespräch ist, eines der abgeschalteten Atomkraftwerke als Kaltreserve vorzuhalten, vorzugsweise in Süddeutschland. Infrage kämen neben Biblis B auch Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 in Baden-Württemberg und das bayerische Isar 1. Ende August soll entschieden werden, ob und wo eine Kaltreserve notwendig ist.