Vorgestellt

Hessen: Grünes Energiekonzept ohne Atomstrom

Die hessische Landtagsfraktion der Grünen hat am Mittwoch ihr Konzept "ZukunftsEnergie für Hessen" vorgelegt, mit dem bis zum Jahr 2028 durch einen Maßnamhen-Mix nicht nur auf Atomkraftwerke, sondern auch auf Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken verzichtet werden soll.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Wiesbaden (red) - "Wir wollen", so die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, Ursula Hammann, bei der Vorstellung des Konzeptes, "ohne Komfortverzicht durch Einsparung eine deutliche Senkung des Stromverbrauchs erreichen. Durch den Einsatz moderner Technologie und einer dezentralen Stromerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung ist eine deutliche Effizienzsteigerung möglich. Die Nutzung von Windenergie, Biomasse, Solarenergie, Wasserkraft und Geothermie wird ausgebaut. Zudem wird durch unsere Energiepolitik ein produktiver Wettbewerb zwischen den Konzernen des Stromoligopols aus RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall einerseits und den kommunalen Stadtwerken sowie privaten Stromerzeugern andererseits entstehen. Die Strombezieher werden unabhängiger von den Energieriesen werden."

"Der kurzfristige Anstieg der CO2-Emissionen durch die Biblis-Abschaltung in den Jahren 2009 und 2013 wird bereits im Jahr 2015 wieder den Stand von 2004 erreichen und danach bis zum Jahr 2028 auf Null sinken. Ein Ergebnis, das sich mit einem Festhalten an Atom und Kohle, wie von CDU und FDP propagiert, nicht erreichen lässt", so Fraktionschef Tarek Al-Wazir. Er wies darauf hin, dass die Stromerzeugung einen Anteil von 20 Prozent zu den CO2-Emissionen in Hessen beiträgt, der CO2-Anteil beim Verkehr bei 37 Prozent, den Haushalten, Gewerbe und Dienstleistungen bei 34 Prozent sowie der Industrie bei 9 Prozent liegt. "Auch im Verkehrs-, Wärme- und Produktionsbereich haben wir Strategien zur Verminderung des CO2-Ausstoßes, so dass die im Vergleich sehr geringe kurzfristige Erhöhung des Ausstoßes von Treibhausgasen im Strombereich durch die überfällige Abschaltung der Atomkraftwerke mehr als ausgeglichen werden kann."

Der Stromverbrauch in Hessen beträgt zur Zeit pro Jahr ca. 35,1 Millionen Megawattstunden. Davon kommen im Durchschnitt 45,2 Prozent aus dem AKW Biblis, 27,4 Prozent werden konventionell aus Kohle und Gas erzeugt, ebenfalls 24,8 Prozent stammen aus dem Import und nur 3,6 Prozent wurden 2004 in Hessen mit erneuerbaren Energien erzeugt. Damit liegt Hessen unter dem Bundesdurchschnitt, wo der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung inzwischen bei 11,6 Prozent liegt.

Beim Thema Energieeffizienz besteht nach Ansicht der Grünen theoretisch ein Einsparpotenzial von 70 Prozent. Im Konzept wird eine Ausschöpfung von etwa 40 Prozent dieses Potenzials bis zum Jahr 2028 zu Grunde gelegt, was 10 Millionen Megawattstunden Strom oder 28,5 Prozent des heutigen Bedarfs entspricht.

Für Windenergie-Anlagen würden etwa 250 neue Standorte benötigt, die ausreichende Abstände zu Wohngebieten (1100 Meter), zu Gewerbeflächen (300 Meter) sowie zu Vogelflugrouten einhalten. Insgesamt sollen so 2028 5,3 Millionen Megawattstunden Strom aus Windenergie in Hessen erzeugt werden. Darüber hinaus wird Hessen von der Offshore-Windenergie profitieren können. Der hessische Anteil der Offshore-Windenergie werde mit 7,5 Millionen Megawattstunden deutlich unter den derzeitigen Stromimporten von ca. 8,4 Millionen Megawattstunden liegen.

Mit etwa 110 dezentralen Biomasse-Heizkraftwerken und 1200 Biogasanlagen lassen sich 2028 ca. 3,2 Millionen Megawattstunden Strom erzeugen. Ein Schwerpunkt stellt die erzeugernahe Produktion von Biogas und dessen Einspeisung in das Gasnetz dar. Damit sei es möglich, Strom in hocheffizienten Blockheizkraftwerken zu erzeugen.

Das dritte Standbein der erneuerbaren Energien soll die solarenergie sein. Insgesamt geb es in Hessen ein Potenzial von 59 Millionen Quadratmetern an Dachflächen und Fassaden, die für die Fotovoltaikanlagen geeignet sind. Darüber hinaus würden bis 2028 Freiflächenanlagen wie Parkplätzen und Lärmschutzwänden im Umfang von ca. 3600 Hektar für die Fotovoltaik genutzt werden. Die Fläche für Freiflächenanlagen könnte damit etwa ein Prozent der derzeitigen Siedlungs- und Verkehrsflächen umfassen. Damit könnten 2028 ca. 8,5 Millionen Megawattsunden Strom in Hessen erzeugt werden.

Bei den Wasserkraftwerken geht es in dem Konzept weniger um den Neubau von Anlagen als vielmehr um deren Modernisierung. Damit kann die erzeugte Strommenge um ca. 30 Prozent auf etwa 530 000 Megawattstunden Strom erhöht werden.

Die Geothermie werde aufgrund der nur im Oberrheingraben wirtschaftlich zu erschließenden Potenziale in Hessen bis zum Jahr 2028 nur einen kleinen Teil des Stromverbrauchs, nämlich 100 000 Megawattstunden, abdecken können.

Wesentliche Grundlage zu der mit der Nutzung von ZukunftsEnergie verbundenen Umstrukturierung der Stromversorgung sei eine Weiterführung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Es schaffe die notwendige Investitionssicherheit für den Ausbau einer regenerativen Stromversorgung. Darüber hinaus müssten die Förderprogramme zur Energieeffizienz aufgestockt und im Bereich der Stromeinsparung deutlich ausgedehnt werden, so die Forderung der Grünen.

Für die CDU ist das Konzept ein "abenteuerliches Hirngespinst". Auch für die FDP kann auf Kernkraft in absehbarer Zeit nicht verzichtet werden. SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti verwies auf das Energiekonzept ihrer Partei vom Oktober letzten Jahres, das ihrer Ansicht nach "mutiger" sei.