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Hessen: Erneut Streit über Aus von Biblis A

Die Blockade der russischen Erdöl-Pipeline nach Westeuropa feuert den Streit über die geplante Abschaltung des hessischen Atomkraftwerks Biblis neu an. Während sich die Landtagsfraktionen von CDU und FDP für die Erhaltung aussprachen, griff SPD-Chefin Andrea Ypsilanti Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf an.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Wiesbaden (ddp-hes/sm) - Merkels Argumentation pro Atomkraft sei "oberflächlich und fadenscheinig", kritisierte Ypsilanti. Merkel hatte zuvor mit Blick auf die Unterbrechung der Öl-Pipeline vor einer einseitigen Abhängigkeit von Öllieferungen gewarnt. Deshalb müsse man Energie sparen, auf erneuerbare Energien setzen und sich "auch überlegen, was für Folgen es hat, wenn wir Kernkraftwerke abschalten". Ypsilanti sagte weiter: "Offensichtlich ist der Kanzlerin jeder Anlass Recht, gegen den Atomausstieg Stimmung zu machen". Die Schließung der Pipeline könne kein Grund sein, vom vereinbarten Atomausstieg abzurücken.

Der Energieexperte der CDU-Landtagsfraktion, Klaus-Peter Möller, schloss sich demgegenüber den Argumenten Merkels an. Man müsse sich bei den Energieträgern verschiedenste Optionen offen halten und dürfe nicht aus ideologischen Gründen einzelne Träger einschränken, sagte Möller.

Der FDP-Abgeordnete und frühere Wirtschaftsminister Dieter Posch nannte den Atomausstieg ebenfalls ideologisch motiviert und ökonomisch unsinnig. Die Grünen-Umweltexpertin im Landtag, Ursula Hammann, konterte daraufhin, wer längere Laufzeiten für Biblis wolle und den Ausstieg aus dem Atomausstieg propagiere, habe "mehr den Profit der Betreiber im Sinn als die Sicherheit der Bevölkerung."

Von Guido Heisner