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GeothermieAb September soll Erdwärme aus großer Tiefe in Hessen erstmals wirtschaftlich genutzt werden. Bislang wird Tiefenwärme noch nirgendwo im Land angezapft, und das Interesse geht deutlich über Deutschlands Grenzen hinaus. Überrascht hat die Forscher, wie warm es in 700 Meter Tiefe tatsächlich ist.
Groß-Umstadt (dapd/red) - Im Groß-Umstädter Ortsteil Heubach im Odenwald ist ein Meißel 772 Meter weit in den Untergrund vorgestoßen und das Bohrloch am Freitag abschließend verrohrt worden. "Ende des Sommers werden wir als ersten Kunden ein Unternehmen vor Ort mit Wärme versorgen", sagte Zijad Lemes von der Südhessischen Energie AG (HSE). Bis 2020 will der Energieversorger an 150 Stellen in Hessen Tiefenwärme mit Bohrungen erschließen und nutzen.
Wärme aus dem Inneren der Erde
(Foto / Abb.: Giordano Aita / Fotolia.com)In Heubach hatte sich der Meißel seit Dezember durch den Granit gearbeitet. Das rund 700.000 Euro teure Pionierprojekt unterstützt das Wiesbadener Umweltministerium mit einer halben Million Euro. Das Geld fließt an die HSE sowie die Uni Kassel und das Landesamt für Umwelt und Geologie (LUG), beide Institutionen begleiten die Arbeiten wissenschaftlich. "Tiefenwärme wird in Hessen bisher nirgendwo angezapft", sagte LGU-Präsident Thomas Schmid. Auch bundesweit sei das Interesse an der Forschung im Odenwald groß.
Selbst in Europa sei bisher nur sehr selten kristallines Grundgebirge durch eine Bohrung erschlossen worden, sagte Schmid. "Da die Wärme in der Tiefe im Schnitt um drei Grad Celsius pro 100 Meter zunimmt, hat uns die unerwartet hohe Endtemperatur hier positiv überrascht." Das LGU maß 770 Meter unter Heubach 38 Grad Celsius. In die seit Freitag installierte, im Durchmesser 20 Zentimeter breite Stahlverkleidung des Bohrlochs soll jetzt ein deutlich schmaleres Kunststoffrohr eingeführt werden, das kaltes Wasser nach unten führt. In dem vom äußeren Stahl- und inneren Kunststoffrohr gebildeten Zwischenraum wird das dann erwärmte Wasser wieder nach oben gepumpt.
"Einfach und effizient", bezeichnete Schmid das Verfahren. Die Wärmeleitfähigkeit des Odenwälder Gesteins sei hoch, erklärte der Geologe. "Das ist günstig, denn durch jahrelangen Wärmeentzug würde es in der Tiefe kälter werden." Die hohe Leitfähigkeit des Granits werde dann aus der weiteren Umgebung des Fels wieder Wärme herantransportieren.
Die HSE will die Kosten pro Bohrung künftig mehr als halbieren und auf staatliche Hilfe verzichten. "150 Wärmetankstellen können in den nächsten Jahren auch nur entstehen, wenn wir die Arbeiten am Bohrloch auf vier Wochen verkürzen", sagte Lemes. Noch immer seien Regionen in Südhessen ohne Erdgasanschluss. "Dort wollen wir ortsnah Wärme liefern, ohne weitere Erschließungskosten." Allein das jetzt für einen Heubacher Industriebetrieb installierte Bohrloch könnte 20 bis 30 Einfamilienhäuser mit Wärme und Kühlungsenergie versorgen, sagte Lemes.
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