Atommüll

Hendricks will notfalls Zwischenlager bestimmen

Wo der Atommüll in Deutschland endgültig gelagert wird, soll bis 2023 vom Bundestag entschieden werden. Davor allerdings muss noch geklärt werden, wo der radioaktive Müll bis zur Fertigstellung des Lagers verbleiben soll. Bundesumweltministerin Hendricks will einzelne Länder notfalls zur Aufnahme zwingen.

Atomstrom© dasglasauge / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) – Die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll in Deutschland beginnt von vorn. Am Donnerstag nahm eine beim Bundestag angesiedelte 33-köpfige Fachkommission ihre Arbeit auf, die bis 2016 die Kriterien für die Suche erarbeiten soll. Grund sind die Zweifel am seit 1977 als einzige Option im Fokus stehenden Salzstock Gorleben. "Es gibt gemütlichere Aufgaben", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) angesichts der enorm komplexen rechtlichen, technischen und politischen Fragen.

Endlagerregionen im Norden

In der Kommission sitzen je acht Bundestagsabgeordnete, acht Ländervertreter, acht Wissenschaftler und acht Vertreter der Zivilgesellschaft, darunter Gorleben-Befürworter und Gegner. Nur die 16 Vertreter aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft sind stimmberechtigt. Durch eine Festlegung auf bestimmte infrage kommende Wirtsgesteine, etwa Salz und Ton, könnte der Suchraum eingeengt werden - besonders in Norddeutschland liegen viele mögliche Endlagerregionen. Auf Basis der Empfehlungen beginnt ab 2016 oder 2017 die eigentliche Suche, 2023 soll der Bundestag die "Final-Standorte" festlegen, die unter Tage erkundet werden.

Zur Zwischenlagerung gezwungen

Bis das Endlager gefunden und errichtet wurde, müssen Zwischenlager bestimmt werden. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks will einzelne Länder notfalls zwingen, Atommüll bis zur Errichtung des Endlagers in Deutschland zwischenzulagern. Ab 2015 kämen diese Abfälle aus Frankreich und Großbritannien aus der Wiederaufarbeitung zurück. Für den Fall, dass sich kein Land zur Aufnahme bereit erklärt, wolle sie von ihrem Weisungsrecht Gebrauch machen, sagte die SPD-Politikerin der Wirtschaftswoche: "Atomrechtlich wären wir in der Lage, einen Standort zu bestimmen."

Ab 2015 kommen noch 26 Behälter nach Deutschland. Vereinbart ist, dass drei Bundesländer sie einlagern sollen. Bislang liegen nur Zusagen von Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein vor.

Fertigstellung bis 2050

Die Fertigstellung eines Endlagers kann nach Einschätzung von Hendricks bis 2050 dauern. "Wenn ich es realistisch sehe, kann mit der Einlagerung des Mülls nicht vor 2050 begonnen werden." Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, hatte 2050 vor wenigen Tagen als frühestes realistisches Datum bezeichnet. "Das wäre sehr ambitioniert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Alle früheren Zeitvorstellungen haben sich als falsch erwiesen."

Quelle: DPA