Atommülllager

Hendricks: Asse-Räumung nicht vor 2033

Einen Besuch der Asse muss jeder Bundesumweltminister hinter sich bringen. Während die Bürger den Atommüll schnellst möglichst beseitigt sehen wollen, muss Babara Hendricks den Deutschen eine Absage erteilen. Die Rückholung wird wohl vor 2033 nicht begonnen werden.

Atommüll Lagerung© Markus Schieder / Fotolia.com

Remlingen (dpa/red) - In weißer Bergmannskluft steigt Barbara Hendricks bei ihrem Besuch der Schachtanlage Asse aus dem Förderkorb aus. Bei den Atommüllkammern angekommen muss sie ernüchtert erkennen, dass sie eine Aufgabe geerbt hat, deren Bewältigung sie als Ministerin nicht mehr erleben wird, wie sie zugibt. Bei der Ankunft an der Asse bei Wolfenbüttel war sie am Dienstag von teils erzürnten Demonstranten empfangen worden, die auf ein Bekenntnis für eine schnellere Rückholung des Atommülls hofften.

Sinnbild des Scheiterns

"Minister kommen, Minister gehen, die Asse haben sie alle gesehen", steht auf einem Plakat, doch die SPD-Politikerin macht den Bürgern hier wenig Hoffnung. Vor 2033 werde "aus heutiger Sicht" die Rückholung wohl nicht beginnen. Aber: 2012 lautete die Zielmarke noch 2036. Voraussetzung ist ohnehin, dass bis dahin das Bergwerk noch steht.

"Die Asse gilt als Sinnbild des Scheiterns der Endlagerung", sagt der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König. Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung hatte die Asse im Auftrag des Bundes 1965 erworben, um ein Endlager einzurichten und zu forschen. Die Asse war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Bis 1978 wurden hier in unverantwortlicher Weise 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll abgekippt. 2008 wurde nach dem Auftreten kontaminierter Salzlauge das Ausmaß des Skandals sichtbar.

Anwohner fürchten Grundwasserverseuchung

Das BfS übernahm schließlich das Kommando. Seitdem ist die Asse Hochsicherheitsgebiet mit strengen Strahlungskontrollen. Warum dauert alles so lange? Zum einen muss ständig daran gearbeitet werden, dass das Bergwerk nicht absäuft, täglich dringen rund 12.000 Liter Wasser ein. Verbogene Metallträger zeugen von der Aktivität des Gebirges. Die Anwohner fürchten, dass radioaktives Material bei einem Verbleiben in der Asse durch den Bergdruck im Grundwasser landen und die Region unbewohnbar machen könnte. Bisher will daher kein Spitzenpolitiker den Bergungsplan für gescheitert erklären.

Scheinbarer Stillstand

Hendricks Vorgänger Peter Altmaier (CDU) kam im Juni 2012 kurz nach Amtsantritt, zusammen mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, der hier seinen Wahlkreis hat. Altmaier durfte den Startknopf für das Anbohren von Kammer 7 geben, allein 11.000 Seiten an Auflagen waren nur für dieses Projekt abzuarbeiten. Diese Abtastphase wird noch Jahre dauern. Auch Hendricks steht am Dienstag vor der Bohranlage. Außer dass nun alles hinter einer Schutzschleuse verschlossen ist, scheint sich hier wenig bewegt zu haben.

Die erste monatelange Bohrung traf die Kammer nicht richtig, weil sie sich wegen des Bergdrucks um zwei Meter gesenkt hatte. Die Kammern wurden zum Teil auf über 20 Metern Länge mit Beton verfüllt. Bisher ist weitgehend unklar, wie es drinnen aussieht.

Verzögerungen beim neuen Schacht

2013 wurde die Lex Asse parteiübergreifend im Bundestag beschlossen. Sie erlaubt nun, Dinge parallel zu planen und abzuarbeiten: Neben der Faktenerhebung, ob eine Rückholung noch machbar ist, laufen die Vorbereitungen für ein riesiges Zwischenlager und eines neuen Schachts, der bis 2028 stehen und über den die Rückholung laufen soll. Unklar ist bisher aber auch, ob sich die Abfälle anschließend im zentralen Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, im Schacht Konrad bei Salzgitter, endlagern lassen. Ohnehin wird es auch bei Schacht Konrad erhebliche Verzögerungen bis mindestens zum Jahr 2019 geben.

Die Asse ist ein Lehrbeispiel, wie es nicht laufen soll - nach den Zweifeln an Gorleben startet auch die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll bald neu. "Wir haben einen ganz schwierigen Bergaufstieg vor uns", meint BfS-Chef König mit Blick auf die noch sehr lange Bewältigung des Atomzeitalters.

Quelle: DPA