Talsohle durchschritten

Heizöl und Benzin werden wieder teurer

Der Preisrutsch bei Öl und Benzin scheint erstmal wieder zu Ende zu sein, es muss derzeit wieder etwas mehr gezahlt werden. Das liegt daran, dass der Euro schwächelt, während der Rohölpreis sich wieder etwas erholt hat. Wie es weitergeht, ist unklar - selbst Experten scheinen zu keiner klaren Prognose zu gelangen.

Heizölrechnung© Michael Möller / Fotolia.com

Hamburg (dpa/red) - Die allerschönsten Zeiten für die Autofahrer waren kurz und sind schon wieder vorbei. Mitte Januar waren die Benzin- und Heizölpreise auf den Stand von 2009 zurückgefallen. Ein Liter Superbenzin kostete zeitweise kaum mehr als 1,20 Euro, Diesel unter 1,10 Euro je Liter. Seit Anfang Februar sind die Preise wieder gestiegen. Für Superbenzin E10 müssen die Autofahrer wieder mehr als 1,30 Euro bezahlen und Dieselkraftstoff liegt im bundesweiten Durchschnitt bei 1,20 Euro je Liter.

Ähnlich sieht es beim Heizöl aus. Von ihrem Tiefststand von 53 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. Mehrwertsteuer) vor vier Wochen gingen die Ölpreise wieder rauf auf 65 Euro. Das sind allerdings immer noch 16 Euro weniger als vor einem Jahr.

Wieso steigen die Preise wieder?

Die beiden wichtigsten Faktoren, die in Deutschland die Endpreise für Ölprodukte bestimmen, entwickelten sich zuletzt gegen die Verbraucher. Der Preis für Rohöl der Nordsee-Sorte Brent erholte sich von seinem Tief bei 46 Dollar je Barrel (159 Liter) und strebt gegenwärtig gegen 62 Dollar. Der Preisanstieg liegt bei mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig schwächelt schon seit längerem der Euro. Inzwischen ist er nur noch 1,14 Dollar wert. Vor einem halben Jahr waren es noch 1,35 Dollar. Der schwache Euro macht das in Dollar gehandelte Rohöl ebenfalls teurer.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland vom Preisverfall beim Rohöl kräftig profitiert. Bei leicht rückläufigen Importen von 89,3 Millionen Tonnen (minus 1,4 Prozent) verringerte sich die Ölrechnung um 5,8 Milliarden auf 49,6 Milliarden Euro. Das heißt: Wirtschaft und Verbraucher wurden um fast sechs Milliarden Euro entlastet.

Eine Prognose scheint schwierig

Die spannende Frage lautet nun: Wie geht es weiter? Die Expertenwelt zeigte sich selten so verunsichert und unklar in ihren Prognosen wie in diesen Tagen. Bankanalysten, Wirtschaftsforscher und Akteure auf den Märkten sehen sowohl Gründe für steigende wie auch für fallende Preise in diesem und den nächsten Jahren. Gut möglich scheint auch ein anhaltender Seitwärtstrend in den kommenden Monaten.

Shell-Chef Ben van Beurden erwartet zum Beispiel in diesem Jahr eine wachsende Nachfrage nach Öl. "Aber bei den heutigen Preisen wird das Angebot mit der Nachfrage nicht Schritt halten", sagte er in der vergangenen Woche. Vielleicht gehe das Angebot sogar zurück. "Energieunternehmen könnten einen Teil ihrer existierenden Produktion stilllegen und neue Projekte verschieben oder ganz aufgeben." Andererseits: Bleibe die Ölförderung in den USA hoch und das globale Wachstum schwach, könnten die Preise für eine längere Zeit niedrig bleiben. "Der Markt wird in diesem Jahr volatil bleiben."

Eine neue Epoche auf dem Ölmarkt?

Für Maria van der Hoeven, Generalsekretärin der Internationalen Energie Agentur (IEA), ist sogar eine neue Epoche auf dem Ölmarkt angebrochen. "Das Schieferöl aus den USA hat die Spielregeln verändert", sagte sie. "Es gab noch nie eine Situation wie heute." Dazu gehöre, dass die US-Förderung sich künftig flexibel der Nachfrage am Ölmarkt und den schwankenden Ölpreisen anpasse. Damit würden die USA quasi die Rolle des Opec-Landes Saudi-Arabien übernehmen, das bislang als "Swing Producer" die Preise hochhielt. Das machen die Saudis nicht mehr; nun regiert der Markt.

Langer Atem bei Investitionen gefragt

Bei einem Ölpreis von weniger als 70 Dollar sind nach Einschätzung von Goldman Sachs nur ein Drittel aller Investitionen in neue Öl- und Gasfelder noch profitabel. Fast eine Billion Dollar seien "Zombie-Investments", die sich nicht rechneten. Diese Angst treibt auch die großen Ölkonzerne um, die nach heftigen Gewinneinbrüchen allesamt ihre Investitionen zurückfahren. Doch sie wissen, dass auf dem Ölmarkt ein langer Atem gefragt ist und die Nachfrage nach Öl in den nächsten beiden Jahrzehnten immer noch wachsen wird. "Shell bleibt auch 2015 ein großer Investor, mit einem starken Fokus auf den Kosten", sagte Vorstandschef van Beurden. "Und wir werden gewiss fortfahren, in Forschung und Entwicklung zu investieren."

Update: Ölpreise erneut gesunken

Nach einer viertägigen Erholungsphase sind die Ölpreise am Mittwochmorgen erneut gefallen. Händler erklärten den Rückgang mit der Aussicht auf ein neues Rekordhoch bei den Ölreserven in den USA. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April 61,55 US-Dollar. Das waren 98 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im März fiel um 50 Cent auf 52,93 Dollar.

Die US-Regierung legt am Donnerstag aktuelle Daten zu den Ölreserven der größten Volkswirtschaft der Welt vor. Experten rechnen mit einem Anstieg der Reserven um drei Millionen Barrel. Zuletzt hatten die Lagerbestände an Rohöl bei fast 418 Millionen Barrel ein neues Rekordhoch erreicht. Ein massiver Anstieg der Ölförderung in den USA dank des Schieferölbooms hatte die Preise seit dem vergangenen Sommer auf Talfahrt geschickt. Erst Anfang Februar hatten die Notierungen zu einer Erholung angesetzt.

Quelle: DPA