Ratgeber

Hat das Moratorium höhere Strompreise zur Folge?

Ein altes AKW wird dauerhaft stillgelegt, sechs weitere Atommeiler sollen zumindest vorübergehend während des Moratoriums der Bundesregierung zur Laufzeitverlängerung vom Netz gehen. Stromknappheit droht dadurch nicht - doch die Preise für Strom könnten langfristig steigen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Umstritten ist vor allem, wie schnell ein Umstieg auf erneuerbare Energien möglich ist und wie wichtig Kohlestrom künftig sein wird.

Welche Akw werden jetzt abgeschaltet?

Als erstes geht der Atommeiler Neckarwestheim 1 dauerhaft vom Netz. Grund sind aktuelle Anforderungen des Stuttgarter Umweltministeriums an Sicherheitsnachrüstungen, ein wirtschaftlicher Betrieb ist deshalb aus Sicht des Betreibers EnBW nicht mehr möglich. Zudem sollen auch die sechs anderen Akw, die vor 1980 in Betrieb gingen, während des angekündigten Laufzeit-Moratoriums von drei Monaten vorübergehend stillgelegt werden, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag ankündigte. Betroffen sind Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1, Unterweser und Philippsburg 1.

Muss Deutschland jetzt Strom importieren?

Voraussichtlich nicht, denn bislang produzierte die Bundesrepublik mehr Strom als sie selbst benötigte und war damit Nettoexporteur von Strom. Nach Ansicht der Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) könnten mindestens vier bis fünf Akw vom Netz gehen, da dies dem derzeitigen Überschuss entspreche. Überschüsse beim Strom gab es in der Vergangenheit sogar, als bis zu sechs Atommeiler nicht am Netz waren.

Muss jetzt wieder mehr Strom aus Kohle erzeugt werden?

Zunächst nicht - aufgrund des Überschusses. Diese Situation ändert sich nach Ansicht Kemferts aber im kommenden Jahrzehnt, wenn alte Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Dann müssten abgeschaltete Akw zumindest teilweise durch neue Kohle- oder Gaskraftwerke ersetzt werden. Notwendig sind diese zumindest auf mittlere Sicht auch deshalb, weil nur sie die erforderliche regelmäßige Grundlast beim Strom liefern können. Erneuerbare Energien sind noch zu großen Schwankungen in der Verfügbarkeit ausgesetzt.

Können erneuerbare Energien überhaupt schnell genug eingesetzt werden?

Nach Ansicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) können bis 2020 erneuerbare Energien 47 Prozent der deutschen Stromversorgung sichern - mehr als notwenig, um die gesamte Atomkraft auszugleichen. Dafür müssen einerseits ausreichend neue Sonnen-, Wasser- und Biomasse-Kraftwerke sowie Windparks gebaut werden. Aber auch die gesamte Infrastruktur muss grundsätzlich an die erneuerbaren Energien angepasst werden.

Was ist für einen Ausbau der erneuerbaren Energie nötig?

Notwendig sind vor allem neue Stromnetze: So muss Strom über viel weitere Entfernungen als bislang von den Produzenten zum Verbraucher gebracht werden - etwa von den Windparks an der Küste zu den Zentren der deutschen Industrie im Westen und Süden Deutschlands. Die Netze dürfen dabei auch nicht an Grenzen halt machen. Außerdem müssen sie besser auf die Schwankungen beim Angebot reagieren können. Notwendig sind zudem Speicher, um Energie aus wind- und sonnenreichen Zeiten bunkern und später abrufen zu können.

Wird Strom jetzt teurer?

Das lässt sich bislang schwer sagen. Liefern die Akw in Deutschland weniger Strom, wird dieser knapper und die Preise an der Strombörse könnten nach Ansicht des Verbraucherportals Verivox steigen. Langfristig würden dann auch die Strompreise für den Verbraucher zulegen. Andererseits gibt es derzeit einen Stromüberschuss. Hinzu kommt, dass die Atomunfälle in Japan die Nachfrage nach Ökostrom hierzulande kräftig angekurbelt hat. Mit mehr Kunden können die Ökostrom-Anbieter den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben, dadurch dürfte der Preis für grünen Strom wieder sinken.

Übrigens: Mit dem Ökostrom Rechner von Strom-Magazin.de können Sie speziell Ökostromtarife vergleichen. Mit dem Wechsel zum grünen Strom ist inzwischen in vielen Fällen sogar eine Reduzierung der Stromrechnung möglich. So kann man steigende Strompreise zumindest teilweise ausgleichen.