Ausschluss der Öffentlichkeit

Harsche Kritik an AKW-Übung zum Katastrophenschutz

Umweltschützer kritisieren den Ausschluss der Öffentlichkeit bei einer Katastrophenschutzübung rund um das Atomkraftwerk Grohnde scharf. Nur "verschwiegene Funktionsträger" sowie akkreditierte Journalisten durften zuschauen. Zudem wurde harsche Kritik an der Übung selbst laut, die vollkommen unrealistisch gewesen sei.

Atomkraftwerk© Oliver Hausen / Fotolia.com

Grohnde (dapd/red) - "Man will den Bevölkerungsschutz ohne Bevölkerung organisieren. Weder wird sie an der Übung beteiligt, noch soll sie sehen, was sie bei einer Katastrophe erwartet", sagte Tobias Darge von der Regionalkonferenz "Grohnde abschalten" der Nachrichtenagentur dapd am Samstag.

Die Bitte, einen Vertreter der atomkraftkritischen Ärzteorganisation IPPNW bei der Übung als Beobachter zuzulassen, sei abgelehnt worden, bemängelte Darge. Ihm selbst sei trotz der Angabe, für eine Umweltzeitschrift zu berichten, der Zugang zum Kreishaus in Hameln verwehrt worden.

Dienstaufsichtsbeschwerde angekündigt

Die Polizei erklärte, es dürften nur "Funktionsträger, die der Amtsverschwiegenheit unterliegen" sowie akkreditierte Journalisten an der Katastrophenschutzübung teilnehmen. Landrat Rüdiger Butte (SPD) begründete den Ausschluss der Atomkraftkritiker damit, dass bei der Übung auch sicherheitsrelevante Fragestellungen erörtert worden seien. Ein Mitglied der Piratenpartei kündigte eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Nichtzulassung der Atomkraftkritiker an.

Vertreter der Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden, des niedersächsischen Innenministeriums sowie der Polizei erläuterten am Nachmittag die Planungen für den Fall eines schweren Unfalls in Grohnde. In den vergangenen Wochen sei das Zusammenspiel von Behörden, Hilfswerken und Rettungsdiensten geprobt worden, sagte der Göttinger Polizeipräsident Robert Kruse. Unter anderem sei "mit über 100 Statisten" der Aufbau einer Unfallstation geübt worden.

Evakuierungszone von gerade einmal zehn Kilometern

Umweltschützer kritisierten die Katastrophen-Planungen als unrealistisch. Sie sähen lediglich im Umkreis von zehn Kilometern um das AKW Evakuierungen in die Nachbarlandkreise vor, sagte Darge. Dabei könnten nach einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz bei einem AKW-Unfall noch Gebiete in 170 Kilometer Entfernung unbewohnbar werden. "Es ist also wahrscheinlich, dass auch die im Plan vorgesehen Aufnahmeregionen radioaktiv verseucht werden", erklärte Darge.

Der Katastrophenschutzplan gehe zudem davon aus, dass 50 bis 70 Prozent der Menschen mit dem eigenen Auto flüchteten. Es komme im Fall eines schweren Unfalls also "unweigerlich" zu langen Staus. Teilweise hörten die Planungen auch einfach an der Landkreisgrenze auf. So gebe es im Nachbarkreis Schaumburg gar keine Verkehrslenkungskonzepte für den Katastrophenfall.

Unterdessen kündigte die Stadt Hameln die bevorstehende Wiederinstandsetzung der letzten beiden von insgesamt zwölf Zivilschutzsirenen an. Nachdem sie zunächst abgeschafft worden waren, hatte die Stadt nach dem Atomunfall in Fukushima beschlossen, die Sirenen wieder in Betrieb zu nehmen.