Strom ohne Kabel

Handys und Autos drahtlos mit Energie versorgen

Mit Induktion lässt sich Energie übertragen, ohne dass ein elektrischer Kontakt hergestellt wird. Wissenschaftler arbeiten daran, künftig Handys, Laptops und sogar Elektroautos ohne Kabelverbindung aufzuladen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Leinfelden (ddp/red) - Bei der elektrischen Zahnbürste funktioniert es bereits: Ist der Akku leer, legt man das Gerät einfach auf die Ladehalterung, und schon werden die Energiespeicher wieder aufgeladen. Einen elektrischen Kontakt zwischen Ladestation und Zahnbürste gibt es nicht. Induktion heißt das Zauberwort bei dieser drahtlosen Übertragung von Energie. Nach den Ideen einiger Wissenschaftler könnte dieses Prinzip künftig auch bei zahlreichen anderen elektronischen Kleingeräten wie Handys, Laptops und Taschencomputern zum Standard werden. Selbst die Elektroautos der Zukunft könnten ihre Energiespeicher wieder aufladen.

Handy-Hersteller arbeiten an einheitlichen Standard

Um einen Leiter, der von elektrischem Strom durchflossen wird, bildet sich ein Magnetfeld. Dieses Magnetfeld erzeugt in einem zweiten, eng benachbarten Leiter ebenfalls einen Stromfluss und kann daher genutzt werden, um Energie zu übertragen. Genau das wollen Philips, Nokia und Olympus tun. Sie haben sich im Wireless Power Consortium (WPC) zusammengeschlossen und sich das gemeinsame Ziel gesetzt, noch im Laufe des Jahres 2010 einen einheitlichen Standard zum kabellosen Aufladen von Kleingeräten zu schaffen. Das berichtet der Technikjournalist Michael Vogel in einem Artikel der Aprilausgabe des Magazins "bild der wissenschaft".

Mit einer Auflade-Mappe sämtliche Geräte laden

Ein einziges Ladegerät könnte damit die Akkus von Handy, Digitalkamera und MP3-Player aufladen. Es würde aus einer Matte mit eingearbeiteten Spulen bestehen, die ein Magnetfeld erzeugen. Die zugehörigen Kleingeräte müssten zum Aufladen natürlich selbst mit der entsprechenden Technik ausgestattet sein. Solche Matten werden zwar vereinzelt schon vertrieben, doch müssen die Geräte vor dem Laden bisher noch immer mit einer speziellen Adapterspule versehen werden. Wie schnell sich der einheitliche Standard für die Induktionstechnik am Markt durchsetzen wird, da will sich Menno Treffers, Vorsitzender des WPC, nicht festlegen. Die Integration der Spulen in die Geräte wie Handys oder Kameras sei aber "kein Problem".

Gegenwind für diese Technik kommt von Achim Enders, Direktor des Instituts für Elektromagnetische Verträglichkeit der Technischen Universität (TU) Braunschweig. Enders sieht jenseits der technischen Schwierigkeiten vor allem das Problem, dass mit einem solchen Gerät die Grenzwerte zum Schutz vor den negativen Auswirkungen elektromagnetischer Wechselfelder nicht eingehalten werden könnten.

Elektroauto auf dem Parkplatz aufladen

Dies gilt auch für Elektroautos, wo das Thema kabelloses Laden durch Induktion ebenso auf großes Interesse stößt. Die Fahrzeuge könnten einfach über Induktionsschleifen geparkt werden, die ihre Akkus berührungsfrei mit Energie aufladen. Ein Wechsel des Akkus wäre damit ebenso überflüssig wie das umständliche Hantieren mit dicken Kabeln. Auch hier ist Vereinheitlichung ein wichtiges Ziel der Hersteller: So erarbeitet der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) derzeit eine Richtlinie, nach der später einmal alle Fahrzeuge an allen Ladestationen mit Energie versorgt werden können.