Neue Pläne

Hanau will kein Endlager werden

Die Firma NCS, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, plant, auf dem ehemaligen Nuklear-Gelände in Hanau-Wolfgang ein Zwischenlager für schwach- und mittelstark radioaktive Abfälle aus deutschen Atomkraftwerken zu errichten. Stadt und Land lehnen dies ab.

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Hanau (ddp-hes/sm) - Das nach der Schließung des Hanauer Atombunkers verkündete Ende für die Plutoniumlagerung in der Stadt steht wieder in Frage. Nach Angaben der Stadt Hanau und der hessischen Landesregierung plant die Firma NCS - ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn -, auf dem ehemaligen Nuklear-Gelände in Hanau-Wolfgang ein Zwischenlager für schwach- und mittelstark radioaktive Abfälle aus deutschen Atomkraftwerken zu errichten. Stadt und Land lehnen dies ab, haben aber offenbar nur begrenzte Möglichkeiten, das Lager zu verhindern.

Nach Angaben des Hanauer Baustadtrats Ulrich Müller (SPD) soll der Atommüll in einer Halle eingelagert werden, die sich neben einem bereits bestehenden Zwischenlager von NCS befindet. In diesem wird schwach radioaktiver Bauschutt aus dem Abriss der Hanauer Siemens-Anlagen zur Herstellung von Brennelementen aufbewahrt. In dem neuen Lager sollen nun uran- und plutoniumhaltige Abfälle von Kernkraftwerken deponiert werden.

Vorgesehen ist laut Müller eine Abfallmenge von bis zu 3000 Kubikmetern im Laufe von zehn Jahren. Wie lange das Material in Hanau verbleibe, hänge von der Inbetriebnahme des geplanten Endlagers Schacht Konrad in Salzgitter ab, sagte Müller. Nach seinen Worten befürchtet die Stadt, dass das Zwischenlager in Hanau zu einem Endlager wird, falls der Schacht Konrad nicht in Betrieb gehen sollte.

Die Firma NCS, die am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, hat für das Lager bei der Stadt einen Bauantrag eingereicht. Dieser wird für den Umbau einer bestehenden Halle gebraucht. Beim Land hat das Unternehmen außerdem die Genehmigung ersucht, mit den radioaktiven Abfällen umgehen zu dürfen. Das hessische Umweltministerium prüft jetzt, ob die Voraussetzungen dafür nach der Strahlenschutzverordnung gegeben sind. Sei dies der Fall, habe das Land juristisch keine Möglichkeit, das Projekt zu verhindern, auch wenn man es politisch für falsch halte, sagte ein Ministeriumssprecher.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) kritisierte, dass es für das Projekt kein Planfeststellungsverfahren, sondern nur eine so genannte Umweltverträglichkeitsprüfung geben solle. Dies schließ beispielsweise einen Erörterungstermin - bei dem betroffene Bürger ihre Einwände gegen das Projekt vorbringen könnten - aus. Kaminsky kündigte an, dass die Stadt alles ihr zur Verfügung Stehende aufbieten werde, "um ein neues Atomdorf zu verhindern".

Von Guido Heisner