Hamburger HEW sieht sich im Wettbewerb "gut positioniert" - Erhebliche Einsparungen vorgesehen

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Der Hamburger Regionalversorger HEW geht eigenen Angaben zufolge "gut positioniert" ins neue Jahr. "Im bundesweiten Wettbewerb haben wir unsere Marktanteile ausgebaut, und mit Vattenfall als zusätzlichem Großaktionär ist die Position der HEW im europäischen Maßstab gestärkt", sagte gestern HEW-Vorstandssprecher Dr. Manfred Timm am vor Journalisten. Zum Jahresende, stellte Timm mit Befriedigung fest, belaufe sich der Absatzverlust in Hamburg über alle Kundengruppen lediglich auf knapp ein Prozent.



Dagegen sei der gesamte Stromabsatz im vergangenen Jahr um mehr als 25 Prozent auf rund 17,5 Milliarden Kilowattstunden gestiegen - im Vorjahr belief sich der Absatz noch auf 13,8 Milliarden Kilowattstunden. Außerhalb Hamburgs habe die HEW zwischen den Verbundpartnern und den durch den liberalen Markt ermöglichten neuen Verbundgeschäften, Vermittlungsgeschäften und Lieferungen an Bündelkunden mehr als fünf Milliarden Kilowattstunden Strom absetzen können. Dies sei nur durch die sehr gute Verfügbarkeit der Kernkraftwerke möglich gewesen, so Timm.



Der Umsatz der HEW AG im Jahr 1999 sei mit nahezu 2,7 Milliarden Mark nur geringfügig niedriger ausgefallen als 1998. Das operative Ergebnis werde sich durch die Erlöseinbrüche infolge der Liberalisierung unterhalb des Wertes von 1998 einstellen.



Der Handel mit derivaten Strom-Terminkontrakten summiere sich 1999, im ersten vollen Geschäftsjahr, auf gut zwei Milliarden Kilowattstunden. Der Stromhandel werde im laufenden Jahr an den Börsenplätzen Nord Pool, Oslo, Amsterdamer Power Exchange APX und Frankfurt deutlich ausgeweitet.



Der Schwerpunkt der HEW-Vertriebsaktivitäten liege auch im kommenden Jahr bei den Bündelkunden. Timm: "Wir wollen für unseren bundesweiten Auftritt keine neuen Strukturen schaffen, sondern unser Know-how und die Strukturen großer Unternehmen und Konzerne nutzen, um unseren Marktanteil auszubauen. Dadurch haben wir mit unseren Bündelkunden einige zehntausend Verbrauchsstellen außerhalb Hamburgs unter Vertrag".



Im Wettbewerb um Privatkunden habe die HEW keine "Hunderte von Millionen" in die Werbung gesteckt und auch nicht versucht, mit "zweifelhaften Dumpingpreisen" Kunden zu gewinnen. Die HEW sei den Weg über Kooperationen mit Geschäftspartnern gegangen. So sei in der Wohnungswirtschaft der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) Vertragspartner der HEW. Diesem Verband gehören 800.000 Wohnungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern an, denen die HEW als Bündelkunden ein Vertragsangebot für den Haushaltsstrom macht.



Der Fernwärmeabsatz habe sich auf gut 3,8 Milliarden Kilowattstunden erhöht (1998: 3,5 Milliarden). Bei der Stadtheizung habe der Anschlusswert um gut 40 Megawatt (MW) auf etwa 2800 MW gesteigert werden können. Mit 7500 neu angeschlossenen Wohneinheiten versorge die HEW-Fernwärme jetzt rund 363.000 Wohneinheiten.



Auf der Erzeugungsseite werde sich die Gesamtproduktion der Kernkraftwerke auf etwa 12,5 Milliarden Kilowattstunden belaufen. Damit werde der Anteil der Kernkraftwerke an der Stromerzeugung etwa 75 Prozent betragen.



Das Kernkraftwerk Krümmel produzierte bei 100 Prozent Zeitverfügbarkeit 10,95 Milliarden Kilowattstunden Strom, so Timm. Brunsbüttel habe eine Zeitverfügbarkeit von 94,5 Prozent erreicht und 6,48 Milliarden Kilowattstunden erzeugt. Das Jahr 1999 sei damit für beide Kernkraftwerke das erfolgreichste Jahr seit ihrer Inbetriebnahme gewesen, bilanzierte Timm.



Ergebnisbelastend hätten sich vor allem die Strompreissenkungen von bis zu 27 Prozent für Haushalte und weitere erhebliche Preisnachlässe bei Sonderverträgen für Industrie und Gewerbe ausgewirkt.



Zur Kompensation der Erlöseinbrüche werde die HEW, so Timm, weitere Synergien innerhalb der HEW AG und im Konzern nutzen sowie ein Sparprogramm umsetzen, dessen Ziel es sei, bei den Sach- und Personalkosten bis Ende 2002 nachhaltig 200 Millionen Mark pro Jahr einzusparen. Die Mitarbeiterzahl werde von derzeit 4600 auf unter 4000 abgebaut. "Zur sozialverträglichen Gestaltung bietet die HEW den Beschäftigten ab 58 und nun auch ab 55 Jahren die Möglichkeit des vorzeitigen Ausscheidens an", sagte Timm. Betriebsbedingte Kündigungen werde es in diesem Sparprogramm nicht geben.