Techniker-Casting

Hamburg sucht den Super-Windkrafttechniker

Mit einem Casting der Hamburger Handwerkskammer sollen Fachkräfte für Windenergieanlagen geworben werden. Die Nachfrage an Fachkräften für die Windkraft ist groß, und die Anforderungen für einen solchen Job in luftigen Höhen sind vielschichtig - und spannend.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Hamburg (dapd/red) - Heiko Niemand schlüpft in einen blauen Schutzanzug, legt sich ein Klettergeschirr um die Hüften und verschwindet in das Innere eines Windkraftrades. "Ich bin gespannt, ob mir da oben schwindelig wird", sagt er. Mit der rund neun Kilo schweren Ausrüstung steigt er auf einer Leiter 55 Meter hoch auf die Windkraftanlage. Das Kompetenzzentrum Elbcampus der Handwerkskammer Hamburg hat 23 Kandidaten zum Casting für Servicetechniker an Windkraft Anlagen eingeladen. An diesem Tag müssen die Teilnehmer ihre Höhentauglichkeit unter Beweis stellen.

Ziel der Auswahl ist die Teilnahme an einem siebenmonatigen Ausbildungslehrgang. Start ist der 9. Mai. Die künftigen Servicetechniker erlernen in einer Klasse von etwa zehn Personen unter anderem die Montage, Inbetriebnahme und Wartung von Windkraftanlagen. Voraussetzung sei neben der Höhentauglichkeit eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Elektrotechnik oder Maschinenbau und ein Gesundheitscheck, sagt Kai Hünemörder, Leiter des Zentrums für Energie-, Wasser - und Umwelttechnik (ZEWU) am Elbcampus.

Bis 2020 rund 112.000 Arbeitsplätze in der Windkraft

Die Nachfrage an Fachkräften für die Windenergie ist groß. Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt stieg die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche seit 1991 von bundesweit 1.100 auf mehr als 84.000 im Jahr 2007. Bis zum Jahr 2020 soll es den Angaben zufolge in Deutschland bis zu 112.000 Stellen in der Windenergiebranche geben.

"Wir erleben den Fachkräftemangel am eigenen Leib", sagt Volker Malle, Produktionsleiter beim Ökostromanbieter Hamburg Energie. Immer wieder stünden Windkrafträder still, da sie gewartet werden müssten und nicht ausreichend Personal vorhanden sei. "Diese Wartezeiten verursachen unnötige Kosten", sagt Malle.

"Mit dem Job engagiere ich mich gleichzeitig für die Umwelt"

Auch Matthias Daferner will künftig als Windkrafttechniker arbeiten. Der 36-jährige Arbeitslose ist aus Hannover nach Hamburg gekommen, um an dem Casting teilzunehmen. "Ich würde später gerne an einer Offshore-Anlage auf der Nord- oder Ostsee arbeiten", sagt Daferner. Das Gute an diesem Beruf sei, dass man sich mit die Arbeit gleichzeitig für die Umwelt engagiere, sagt Daferner.

Das Kompetenzzentrum der Handwerkskammer bietet den Ausbildungslehrgang seit 2007 an. In den vergangenen vier Jahren wurden laut Handwerkskammer rund 200 Techniker ausgebildet, die deutschland- und europaweit im Einsatz sind. Die Ausbildung kostet insgesamt rund 8.300 Euro. "Für Arbeitssuchende werden die Kosten in den meisten Fällen von den Arbeitsagenturen getragen", sagt die Mitorganisatorin des Castings, Angela Zeyn.

Als Heiko Niemand nach gut einer Stunde aus der kleinen Luke des Windkraftrades hinausklettert, steht ihm der Schweiß auf der Stirn. "Das ist auf jeden Fall etwas für mich", sagt der 43-Jährige. Sollte ich an dem Lehrgang teilnehmen, müsste ich wohl häufiger joggen gehen und mit dem Rauchen aufhören", sagt er. Denn anstrengend sei die Kletterei auf jeden Fall.