Wegen Braunkohletagebau

Haidemühl: Umsiedlung mit einem Fest abgeschlossen

Mit einem zweitägigen Dorffest haben die Bewohner der ehemaligen Industriegemeinde Haidemühl am Wochenende ihre Umsiedlung in den neuen Ortsteil von Spremberg gefeiert. Es handelt sich nach Angaben des Energiekonzerns Vattenfall um die größte Umsiedlung eines Ortes in der Lausitz seit der Wende.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Spremberg (ddp-lbg/sm) - Zu einem Festakt am Samstag im neuen Dorfgemeinschaftshaus von Neu-Haidemühl fanden sich mehrere hundert Gäste ein. Neben den Dorfbewohnern waren auch Ministerpräsident Matthias Platzeck, Umweltminister Dietmar Woidke und Finanzminister Rainer Speer (alle SPD) sowie Spitzenvertreter von Vattenfall Europe Mining and Generation gekommen. Vor dem Festakt war ein über 20 Meter hoher Aussichtsturm eingeweiht worden, der zum Wahrzeichen des neuen Orts werden soll.

Vattenfall-Vorstandssprecher Reinhardt Hassa hob hervor, dass dieser Umzug in Absprache mit den Haidemühler Bürgern sozialvertraglich und mit dem besten Ergebnis für beide Seiten erfolgt sei. Auch Platzeck würdigte die Kooperation und Bereitschaft der Haidemühler, außerordentliche Lasten mitzutragen. Ortsbürgermeister Dietmar Kiel (parteilos) verwies darauf, dass der Umzug im Gegensatz zu dem Dorf Horno ohne öffentlichen Streit erfolgt sei.

Das 450-jährige Haidemühl musste dem Braunkohletagebau Welzow-Süd weichen. Dazu war bereits am 30. Juni 2000 zwischen der Gemeinde und der damaligen Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) der so genannte Haidemühl-Vertrag geschlossen worden. Von den einst 645 Bewohnern zogen inzwischen 580 in die 85 neuen Eigenheime und 176 neuen Mietwohnungen im neuen Spremberger Ortsteil Haidemühl um. Der Umzug soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Auch eine Grundschule, eine Kita, ein Feuerwehrgebäude und ein Biomasse-Heizkraftwerk entstanden.

Das Land unterstützte Bauten am neuen Standort mit rund 5,7 Millionen Euro. Allein 3,6 Millionen Euro an Fördermitteln flossen nach Angaben des Umweltministeriums in das für 7,3 Millionen Euro erbaute Dorfgemeinschaftshaus mit Saal, Jugendclub, Ortsarchiv, Bürgermeisterzimmer, Kegelbahn und Schießhalle. Für 1,2 Millionen Euro, von denen 900 000 Euro das Land beisteuerte, entstand ein "Park der Erinnerung". Auf dem neun Hektar großen Gelände gibt es unter anderem einen Rodelberg, einen Abenteuerspielplatz und einen Familienhain.

In Neu-Haidemühl erinnere vieles an den alten Ort, sagte Woidke. Die Erinnerung werde hier bewusst bewahrt. Bis 2010 wird das alte Haidemühl abgerissen.

Von Jörg Schreiber