Energie aus der Tiefe

Gute Chancen für Geothermie in Niedersachsen

Niedersachsen als "das Geoland" kann vielleicht schon in fünf Jahren mit der Nutzung von Erdwärme zur Stromerzeugung beginnen. Dieser Meinung ist jedenfalls der Geowissenschaftler Martin Sauter von der Uni Göttingen. Für ihn geht es jetzt nicht mehr um Grundlagenforschung, sondern um das Auswerten der Daten.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Göttingen (ddp-nrd/sm) - Mit der Erdwärmenutzung in größerem Stil kann in Niedersachsen nach Experteneinschätzung möglicherweise schon in etwa fünf Jahren begonnen werden. Ein genauer Termin lasse sich derzeit allerdings nur schwer bestimmen, sagte der Geowissenschaftler Martin Sauter von der Universität Göttingen in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Um eine solche Entwicklung voranzutreiben, müsse die Wirtschaft jedoch "Geld in die Hand" nehmen.

Aufgabe der Wissenschaft sei es, das Erfahrungspotenzial weiter auszubauen, um Fehlbohrungen zu minimieren, sagte Sauter. Informationsbedarf bestehe vor allem bei der Bewertung des geologischen Risikos von Geothermiebohrungen.

Niedersachsen sei wegen seiner zahlreichen Bohrungen durch die Erdöl-und Erdgasförderung eigentlich bundesweit "das Geoland". Kein anderes Bundesland könne auf eine so große Datenbasis und so viel Expertenwissen zurückgreifen, betonte Sauter. Seitens der Wissenschaft gehe es jetzt "nicht mehr um reine Grundlagenforschung", sondern darum, die vorhandenen Daten zusammenzutragen, um erfolgversprechende geologische Strukturen auszumachen. Eine Voraussetzung für die Erdwärmenutzung sei eine hinreichende hohe Durchlässigkeit des Untergrunds.

Sauter ist überzeugt, dass auch die Politik das Zukunftspotenzial der Erdwärmenutzung erkannt hat. Das sei erst in der vergangenen Woche auf einem Workshop zum Thema "Geothermie-Potenziale in Niedersachsen" in Göttingen deutlich geworden, unterstrich er. Erdwärme habe im Gegensatz zur Windenergie den Vorteil, dass sie "grundlastfähig" sei. Sie könne darüber hinaus flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden und sei "prinzipiell überall verfügbar". Vorteil sei auch, dass der Kohlendioxid-Ausstoß fast bei Null liege. Sauter ging davon aus, dass die Geoenergie künftig zum Mix umweltverträglicher Energien gehören wird.

Der Göttinger Wissenschaftler Agust Gudmundsson verwies auf Berechnungen, wonach die unter Deutschland schlummernde geothermische Energie in der Lage ist, theoretisch das 600-fache des bundesweiten Jahresstromverbrauchs zu liefern. Die wirklich nutzbare Energiemenge werde jedoch entscheidend von den geologischen Bedingungen bestimmt, betonte er.

Die Pläne zur Erdwärmenutzung basieren auf dem Prinzip eines stimulierten geothermischen Systems. Dabei werden in größeren Tiefen Risse im Gestein erzeugt oder erweitert, in die kaltes Wasser gepumpt wird. Durch die heißen Gesteinsschichten erwärmt sich das Wasser und wird wieder an die Oberfläche geholt, wo es zur Wärmeversorgung oder Stromerzeugung genutzt wird.