Weitere Kritikpunkte

Gutachter erstellte Mängelliste zum Dong-Kraftwerk

Das Kraftwerksprojekt des dänischen Energiekonzerns Dong Energy hat nach einem Gutachten des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) eine Vielzahl von Mängeln. Unter anderem warnen die Experten vor der Gefahr einer starken Vermehrung gefährlicher Legionellen, Blaualgen, Viren und Bakterien.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin (ddp-nrd/sm) - Nach Einschätzung des Berliner Professors für Landschaftsarchitektur, Klaus Neumann, bestehen neben der umstrittenen Einleitung von Abwasser in den Greifswalder Bodden, der Wasserentnahme sowie einer möglichen Grundwasserabsenkung weitere Kritikpunkte für das umstrittene Steinkohlekraftwerk. Darauf habe der Experte in seinem Bericht an das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Stralsund hingewiesen, berichtet die "Ostseezeitung".

Ein Sprecher von Dong Energy verwies darauf, dass dieses Gutachten bereits Ende Februar an die zuständige Behörde weitergeleitet worden sei. Inzwischen habe der Konzern seine Angaben präzisiert. Experten des Unternehmens stünden in engem Kontakt zur Genehmigungsbehörde, um noch ausstehende Fragen zu klären.

In der jetzt erstmals veröffentlichten Studie warnte der Experte vor der Gefahr einer starken Vermehrung gefährlicher Legionellen, Blaualgen, Viren und Bakterien durch das eingeleitete Kühlwasser in den Bodden. Eine "erhebliche Beeinträchtigung" der Gewässerbeschaffenheit sei dem Bericht zufolge nicht auszuschließen. Dong Energy habe bislang "nicht hinreichend kommentiert", wie Fischarten in den Laichschongebieten geschützt werden könnten.

"Nicht nachvollziehbar" sei zudem der vom Investor angegebene Jahresausstoß von lediglich 72 Tonnen Stickstoff aus der Rauchgaswäsche in den Bodden. Gefordert werde ein Nachweis, ob und wie sich Quecksilber oder Dioxine in der maritimen Nahrungskette zum Beispiel bei Seeadler, Seehund, Kegelrobbe und Schweinswal anreichern könnten.

Außerdem kritisiere der Prüfer, dass Dong in den Antragsunterlagen lediglich ein Brutvorkommen auf der vier Kilometer entfernten Halbinsel Struck erwähne, einen weiteren Horst nur 800 Meter vom geplanten Bauplatz entfernt jedoch verschweige. In Frage gestellt werde ferner, warum der dänische Konzern keinen von insgesamt 60 Alternativstandorten geprüft hat.

Der Energiekonzern Dong Energy plant in Lubmin den Bau eines Steinkohlekraftwerks mit zwei Blöcken mit jeweils 800 Megawatt Leistung. Das rund zwei Milliarden Euro teure Kraftwerk soll 2012 ans Netz gehen.