Wie richtig sind die Daten?

Gutachter erheben schwere Vorwürfe gegen Windkraft-Studie

Weil die Netzbetreiber es abgelehnt hätten, detaillierte Informationen über die Belastung ihres Hochspannungsnetzes herauszugeben, hat der Energieexperte Martin Schmieg Zweifel an der Richtigkeit der Daten geäußert, auf denen die Untersuchung aufbaut. Zudem sei beispielsweise die Kapazität der Kabel nicht geprüft worden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Gutachter haben massive Mängel in der Windenergie-Studie der Deutschen Energie-Agentur beklagt. Wie die "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe) berichtet, bezweifelt der von der Energieagentur mit der Prüfung der Studie beauftragte Energieexperte Martin Schmieg die Richtigkeit der Daten, auf denen die Untersuchungen aufbaut.

Die Netzbetreiber hätten es abgelehnt, Schmieg und dem Energiewissenschaftler Jürgen Schmid detaillierte Informationen über die Belastung des Hochspannungsnetzes zu überlassen. "Bei einer Dateneinsicht vor Ort konnte eine Datenprüfung nur in extrem begrenzten Umfang durchgeführt werden", sagte Schmieg.

Die am Donnerstag in Berlin vorgestellte Studie stellt fest, dass der Ausbau der Windenergie in Deutschland zusätzliche Kosten von 2,3 Milliarden Euro verursacht. Der weltweit tätige Energieexperte Schmieg schrieb in seiner Stellungnahme, dass den Autoren der Studie - die Netzbetreiber, das Energiewirtschaftliche Institut der Uni Köln und das Deutsche Windenergieinstitut - keine Software zur Verfügung stand, mit der sie die Belastung der Stromnetze nach 2015 hätten simulieren können. Genau das war aber ursprünglich eines der Ziele der Studie.

Erspart hätten sich die Autoren auch andere Aufgaben, die Bestandteil des Auftrags für die 700 000 Euro teure Arbeit waren. So hätten sie nicht geprüft, inwieweit die bestehenden Hochspannungsleitungen mit Hilfe moderner Technik verbessert werden könnten. Schmieg schrieb, dass sich die Kapazität der Kabel ohne größeren Aufwand um bis zu 30 Prozent erhöhen lasse. Ohne diese Möglichkeit zu berücksichtigen, geht die Studie davon aus, dass in Deutschland etwa 850 Kilometer Hochspannungstrassen neu gebaut und weitere 400 Kilometer verstärkt werden müssen, um Schwankungen bei der Einspeisung von schwankender Windenergie auffangen zu können.