"Nicht haltbar"

Gutachten stellt Ergebnisse der EU-Strommarkt-Studie in Frage

Die von der EU-Kommission vorgestellte Studie über den Wettbewerb im europäischen Strommarkt habe erhebliche Fehler, womit zentrale Schlussfolgerungen nicht haltbar sind, so das Urteil von Prof. Dr. Axel Ockenfels, der das Gutachten im Auftrag von RWE unter die Lupe genommen hat.

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Essen (red) - Die EU-Kommission hat im April 2007 eine Analyse der Strommärkte in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien, Großbritannien und Deutschland vorgestellt. Laut dem von der Studiengruppe London Economics (LE) erarbeiteten Gutachten seien die Preise auf dem europäischen Strommarkt von 2003 bis 2005 überhöht gewesen, Grund sei vor allem der mangelnde Wettbewerb.

Prof. Dr. Axel Ockenfels von der Universität Köln kommt nun in einer von RWE in Auftrag gegebenen Expertise zu dem Ergebnis, dass das EU-Gutachten "erhebliche Fehler sowie methodische Schwächen" aufweise, womit zentrale Schlussfolgerungen der LE "wissenschaftlich nicht haltbar" seien.

Demnach basiere die LE-Studie auf dem theoretischen Modell eines perfekten Wettbewerbsmarktes mit vielen, sehr kleinen Marktteilnehmern, die über vollständige Marktransparenz verfügen. Abweichungen von diesem Modell würden bei der Bewertung und Analyse jedoch nicht berücksichtigt.

Obwohl den Gutachtern eine Fülle von Originaldaten aus den Unternehmen zur Verfügung gestanden hätten, seien die ausgewiesenen Preiseffekte als Indikator für die Ausübung von Marktmacht durch eine Reihe von Fehlern in den Messungen, Definitionen und Verfahren überhöht dargestellt. Zum Beispiel werde der internationale Stromaustausch nicht angemessen berücksichtigt. Des Weiteren sei durch die Verwendung von Monatsdurchschnittswerten für die Verfügbarkeit von Kraftwerken die tatsächlichen Grenzkosten des verfügbaren Kraftwerkparks unter- und so der vermeintliche Preisaufschlag überschätzt worden.

Laut Ockenfels zeichnet LE ein "theoretisch und empirisch falsches Bild" der Anreize für Investitionen in neue Kapazitäten. Sowohl die Preisschätzungen der Studie bei perfektem Wettbewerb als auch die tatsächlichen Preise an der EEX in den Jahren 2003 und 2004 befanden sich unter langfristigem Vollkostenniveau. Erst die Emissionshandelspolitik habe 2005 die Preise über das langfristig für neue Investitionen erforderliche Niveau gehoben.

Insgesamt kommt der Gutachter zu dem Schluss, dass die LE-Studie nicht dem Anspruch gerecht werden kann, eine robuste Entscheidungsgrundlage für wettbewerbspolitische oder regulatorische Maßnahmen zu liefern.