Gutachten: Kein funktionierender Regelenergiemarkt für Strom in Deutschland

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"In Deutschland gibt es keinen funktionierenden Regelenergiemarkt beim Strom. Die Aufrechterhaltung eines Quasi-Monopols in diesem Bereich behindert vor allem kleine Händler im Wettbewerb. Die Höhe und Struktur der Regelenergiepreise sind in Deutschland zurzeit nicht sachgerecht, nicht kostenorientiert und geben keinen Anreiz zur wirtschaftlichen Effizienz." Dies ist das Fazit eines Gutachtens des renommierten Londoner nera-Instituts (National Economics Research Association), das der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) in Auftrag gegeben hat.


Mit Regelenergie bezeichnet man die Mehr- und Mindermengen, die die Abweichungen des prognostizierten vom tatsächlichen Strombedarf des Kunden ausgleichen. Diese Mengen werden ausschließlich von den großen Übertragungsnetzbetreibern (u.a. RWE, E.ON, EnBW) aufgenommen bzw. bereit gestellt. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass im Gegensatz zu anderen Ländern mit liberalisiertem Strommarkt die Beschaffung und Bereitstellung von Regelenergie in Deutschland nicht wettbewerblich organisiert ist. Das hätte gravierende Folgen insbesondere für kleinere Stromhändler wie Stadtwerke. Die Höhe und die Struktur der Preise für die abweichenden Mengen zwingen die Händler, eher zuviel einzuspeisen, was zur Ineffizienz und zu einem verzerrten Kraftwerkseinsatz führt.


Der VKU fordert daher, den Markt für Regelenergie zu öffnen und so zu gestalten, dass Transparenz, Diskriminierungsfreiheit und wirtschaftliche Effizienz gewährleistet sind. Auch die kommunalen Kraftwerke dürften nicht von der Teilhabe an diesem Markt ausgeschlossen werden. Die Regelenergieauflagen zur Fusion der Unternehmen RWE und VEW sollten unter Berücksichtigung der Ergebnisse des VKU-Gutachtens konkretisiert und umgesetzt werden, damit das verfolgte Ziel auch tatsächlich erreicht wird.