Strom und Fernwärme

Grundstein für erstes Geothermie-Kraftwerk in RLP gelegt

Im pfälzischen Landau ist gestern der Grundstein für das erste Geothermie-Kraftwerk in Rheinland-Pfalz gelegt worden. In der 16 Millionen Euro teuren Anlage sollen bereits ab Oktober Strom und Fernwärme erzeugt werden. Umweltministerin Margit Conrad (SPD) lobte das Projekt als "wegweisend für ganz Deutschland".

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Landau (ddp-rps/sm) - Kraftwerksbetreiber ist die Firma geo x, ein Gemeinschaftsunternehmen der Pfalzwerke und der Energie-Südwest. Das circa 150 Grad heiße Wasser aus 3000 Metern Tiefe erzeugt nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums Wärme für 300 Haushalte. Die Leistung der Kraftwerksturbine liege bei drei Megawatt und genüge, um knapp 6000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Durch das Geothermie-Kraftwerk könnten jährlich 5800 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Die Arbeiten an dem Geothermie-Kraftwerk haben nach Angaben des Umweltministeriums im Sommer 2005 begonnen. Die Bohrungen wurden im Frühsommer 2006 abgeschlossen, danach wurde von der Firma Bestec der Thermalwasserkreislauf gebaut. Am Dienstag wurde nun mit dem Bau des eigentlichen, 3,5 Millionen Euro teuren Kraftwerks mit Wärmetauscher und Turbine begonnen. Die kostspieligsten Teile des Kraftwerks sind jedoch die Bohrungen und der Thermalkreislauf, mit dem das Wasser zu Tage gefördert wird. Sobald das Kraftwerk mit voller Leistung läuft, werden täglich bis zu sieben Millionen Liter Wasser zirkulieren.

Conrad: Technologischer Aufbruch

Das neue Kraftwerk in Landau sei die derzeit "größte und wichtigste industrielle Investition" in die Stromerzeugung aus Erdwärme in der Bundesrepublik, sagte Umweltministerin Conrad. Der Bau stehe für einen technologischen Aufbruch in der Energiewirtschaft. "Wir setzen damit einen Meilenstein", sagte Conrad. Außerdem kündigte sie an, dass die Regierung künftig die Kapitalbeschaffung für Geothermie-Projekte erleichtern wolle.

Conrad hob hervor, die schnelle Entwicklung der Tiefengeothermie in der Region sei "eine gemeinsame und grenzüberschreitende Leistung" der Länder entlang des Oberrheins gewesen. Ganz besonders habe das europäische Forschungsprojekt zur Nutzung geothermischer Energie in Soultz-sous-Forêts dabei geholfen, die geothermischen Ressourcen im Oberrheingraben zu entwickeln.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Gebhart, forderte, die Förderung von Erdwärme als Ziel in den LEP IV aufzunehmen. Bislang sei dort die Förderung von Geothermie lediglich als Grundsatz formuliert. Der Oberrheingraben sei aber wie kaum eine andere Region in Deutschland für die Erdwärme-Nutzung geeignet.

Ein Geothermie-Kraftwerk in dieser Größenordnung gibt es nach Angaben des Betreibers geo x bislang in der ganzen Bundesrepublik noch nicht. In Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern stehe zwar eine kleinere Anlage gleicher Bauart. Ein ähnlich leistungsstarkes Kraftwerk wie die Landauer Anlage wird Bestec zufolge etwa zur selben Zeit in Unterhaching bei München ans Netz gehen.

Die Technik des Geothermie-Kraftwerks

Das Geothermie-Kraftwerk wird nach dem Prinzip der so genannten hydrothermalen Geothermie betrieben. Bei diesem Verfahren wird ein natürlicher unterirdischer Wasserspeicher erschlossen. Das heiße, salzige Wasser wird über einen Bohrkanal an die Erdoberfläche gefördert und nach der Strom- und Wärmegewinnung mit leichtem Druck wieder vollständig zurück in die Tiefe gepumpt. Im Gegensatz zu anderen Verfahren werden vorhandene, wasserführende Schichten genutzt, die nicht erst aufgerissen werden müssen.

Somit unterscheidet sich angewandte Prozedere von dem Hot-Dry-Rock-Verfahren, das derzeit bei Basel erprobt wird. Dabei wird normales Leitungswasser mit hohem Druck in heiße Gesteinsschichten gepresst, die dadurch aufbrechen. Das in der Tiefe erhitze Wasser wird dann über weitere Bohrkanäle für die Strom- und Wärmegewinnung wieder entnommen. Das Basler Geothermie-Projekt wurde im Januar 2007 vorläufig gestoppt, nachdem es eine Serie von Erdbeben gegeben hatte. Nach Informationen der "Basler Zeitung" hatten diese Beben Schäden in Millionenhöhe angerichtet.

Dass von dem Kraftwerk in Landau eine ähnliche Erdbebengefahr ausgehe, ist nach Angaben des Betreibers geo x "unwahrscheinlich". Zudem würden seismische Messgeräte in sechs Beobachtungsstationen in einem Radius von drei Kilometer rund um das Geothermie-Kraftwerk die Vorgänge in 300 Meter Tiefe genau beobachten und kontrollieren.