Groß-Gerau

Grünes Licht für Hessens erstes Geothermiekraftwerk

Das Geothermieprojekt im Kreis Groß-Gerau hat in den vergangenen Tagen gleich mehrere wichtige Hürden genommen. Mit der Teilgenehmigung des Regierungspräsidiums sowie der Zustimmung der Aufsichtsräte der Stadtwerke Mainz und des Überlandwerks Groß-Gerau rückt die Realisierung des ersten Geothermiekraftwerks in Hessen näher.

Geothermie© Dmitry Naumov / Fotolia.com

Groß Gerau (red) - Nach mehr als sechsjähriger Vorbereitung und Planung nimmt das Geothermieprojekt der ÜWG im Kreis Groß-Gerau konkrete Formen an. Die ÜWG will östlich von Trebur Hessens erstes Tiefengeothermiekraftwerk zur Gewinnung von Strom und Wärme errichten. Ein solches Geothermiekraftwerk könnte pro Jahr Strom und Wärme für mehr als 21.000 Menschen erzeugen, berichtet die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG).

Der produzierte Strom würde in das öffentliche Stromnetz eingespeist, zusätzlich bestünde die Möglichkeit, Wärme lokal zu nutzen. Somit könnten angrenzende Kunden in Trebur, Nauheim und Groß-Gerau über ein noch zu errichtendes Wärmenetz mit Heizenergie versorgt werden.

Weg für das Geothermieprojekt ist geebnet

In den letzten Tagen gab es gleich zwei positive Entscheidungen für das Vorhaben der ÜWG. Zum einen erteilte das Regierungspräsidium Darmstadt eine erste positive Teilgenehmigung für die Errichtung des Bohrplatzes. Die vollständige Genehmigung des Hauptbetriebsplans wird in Kürze erwartet. Zum anderen stimmten die Aufsichtsräte der Stadtwerke Mainz AG und der Überlandwerk Groß- Gerau GmbH in einer gemeinsamen Sitzung der Realisierung des Geothermieprojektes zu. Damit ist der Weg für den eigentlichen Bohr- und Baubeginn frei.

Probebohrungen bereits im vergangen Jahr

Bereits im vergangenen Jahr konnten die routinemäßigen Baugrunduntersuchungen und archäologischen Voruntersuchungen auf dem Grundstück durchgeführt werden. Vor wenigen Wochen wurde das Grundstück geschottert und für den Bohrplatzbau vorbereitet. Zusätzlich wurden am Standort drei Grundwassermessstellen eingerichtet, so dass der Grundwasserstand und die Grundwasserqualität in verschiedenen Tiefenbereichen vor, während und nach der Bohrung kontrolliert werden. Bis zum Jahresende 2015 wird der endgültige Bohrplatz hergerichtet und die Erschließung mit Ver-und Entsorgungsleitungen wird sichergestellt.

Kein Fracking in Groß-Gerau

Die Ausschreibungen für die beiden rund 4.000 Meter tiefen Bohrungen wurden vor wenigen Tagen gestartet. Die Tiefbohrarbeiten starten nach erfolgreicher Vergabe Anfang nächsten Jahres. Bei den Tiefbohrungen kommt kein Fracking zum Einsatz. Dieses Verfahren hat ÜWG mehrfach öffentlich ausgeschlossen. Im Jahr 2017 könnte der Kraftwerksbau beginnen.

Bürger sollen weiterhin beteiligt werden

Im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses „DialoGGeo“ wurden die Bürgerinnen und Bürger in acht öffentlichen Bürgerforen informiert. Ein projektbegleitender Geothermie-Beirat, bestehend aus Vertretern von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden, der Kirche, der Landwirtschaft und der Politik, erarbeitete Forderungen an das Geothermieprojekt, die bei der Umsetzung durch die ÜWG zu berücksichtigen sind. Mittlerweile seien alle Forderungen bearbeitet, so die GmbH weiter. Der Standort liege mit über einem Kilometer Abstand zur nächsten Ortsrandgrenze in ausreichender Entfernung zur Wohnbebauung – Außerhalb von Natur-, Wasser- , Artenschutz oder Naherholungsgebieten. Der Bürgerdialog soll weitergeführt werden.