Maßnahmenkatalog

Grüne legen Konzept für radikale Energiewende vor

Das 76-seitige Paper nennt sich ganz trendy "Energie 2.0" und benennt konkrete Maßnahmen, wie eine radikale Energiewende bis 2020 erreicht werden soll. Für den Umweltminister fanden die Grünen kritische Worte. Gabriel stecke im "fossilen Denken" fest, sagte Fraktionsvize Bärbel Höhn.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Grünen haben einen Maßnahmenkatalog für eine radikale Energiewende bis 2020 vorgelegt. "Wir müssen anders produzieren, transportieren, wohnen und leben“, sagte Fraktionschefin Renate Künast am Mittwoch in Berlin. Das 76-seitige Konzept "Energie 2.0" nennt Künast zufolge konkrete Maßnahmen, wie 40 Prozent CO2-Reduktion bis 2020 trotz Atomausstiegs und ohne neue Kohlekraftwerke erreichbar seien.

Dabei setzen die Grünen in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr auf Energieeinsparung, mehr Effizienz und den Ausbau alternativer Energien. Der Anteil Erneuerbarer Energien könne bis 2020 auf 29 Prozent gesteigert werden, der Anteil an der Stromerzeugung sogar auf 43 Prozent, sagte der energiepolitische Sprecher der Fraktion, Hans-Josef Fell. Eine größere Rolle sollen auch ökostrombetriebene Autos spielen.

Der großen Koalition warfen die Grünen beim Klimaschutz Halbherzigkeit vor. "Es reicht nicht aus, sich in Brüssel für Werte einzusetzen und dann an jeder Stellschraube wieder den alten Lobbyismus zu bedienen", kritisierte Künast. Fraktionsvize Bärbel Höhn nannte als Beispiel die Pläne der Regierung zum Emissionshandel, wonach der Steinkohle doppelt so viele Zertifikate zustünden wie dem Gas. Die jetzt gebauten großen Kohlekraftwerke liefen 50 Jahre, warnte Höhn. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bleibe "im fossilen Denken verhaftet".

Anstrengungen seien nötig, damit Deutschland bei der Umwelttechnologie als neuer "Leittechnologie" Vorreiter bleibe, sagte Künast. "Die Konkurrenz schläft nicht", mahnte sie mit Blick auf Fortschritte in China und den USA. Zur Belebung des Wettbewerbs müsse der von den großen Energiekonzernen kontrollierte Markt für kleinere Akteure geöffnet werden.