Umstrittene Kernkraft

Grüne kritisieren Gelder für Kernforschungsreaktor ITER

Die Kernfusion sei ein Milliardengrab und verschlinge seit Jahrzehnten Unsummen, ohne wesentliche Fortschritte zu erzielen - und aufgrund dieser Investitionen fehlten die Gelder für Erneuerbare Energien. Eine Stellungnahme des energiepolitischen Sprechers von Bündnis 90/Die Grünen.

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Berlin (red) - Zu der am gestrigen Dienstag erfolgten Unterzeichnung des internationalen Vertrages für den Kernforschungsreaktor ITER hat sich Hans-Josef Fell, energie- und technologiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erwartungsgemäß kritisch geäußert.

Fell zufolge habe die Kernfusion hat in den letzten 50 Jahren sehr viel Geld verbraucht, ohne dass eine Energieerzeugungstechnologie zur Verfügung stünde. Dies werde auch mindestens die nächsten 50 Jahre so bleiben. Die gestrige Vertragsunterzeichnung für den Bau des Kernfusionsforschungsreaktors ITER setzte also die "schlechte Tradition" fort, internationale Verträge zu zeichnen, die die Kosten erfolgloser Projekte auf verschiedene Länder verteilen.

In den letzten 40 Jahren seien für die Kernfusionsforschung dutzende Milliarden Euro ausgegeben worden, ohne wesentliche Fortschritte zu erzielen, so der Sprecher weiter. Für den neuen Forschungsreaktor ITER sind alleine für den Bau weitere sieben Milliarden Euro vorgesehen. Ziel des Experiments ist es, in 30 Jahren zu wissen, ob die Kernfusion nach 2050 Beiträge zur Energieversorgung leisten kann.

Ob es bei den sieben Milliarden Euro für den Bau des ITER und bei dem Zeitplan bleibt, sei jedoch ungewiss. Bei dem Bau des Stellerators in Greifswald könne man beispielsweise beobachten, wie Missmanagement den Bau von Fusionsforschungsexperimenten um Jahre verzögern und um große Summen verteuern kann. Der Beschluss des Haushaltsausschusses von vergangener Woche - zusätzliche Mittel für die Kernfusion zu stoppen - sieht Fell daher als richtig an.

Doch selbst wenn die ursprünglichen Pläne eingehalten würden, handele es sich um schlecht investiertes Geld, führt Fell weiter aus. Würde das gleiche Geld in Forschung für Erneuerbare Energien investiert, könnte man schon heute drängende Fragen wie Klimaschutz, Energieversorgungssicherheit und die Schaffung von Arbeitsplätzen anpacken. Die Milliarden für Kernfusion behinderten dies.