Pläne stoppen

Grüne: Geplante Stromtrasse bedroht UNESCO-Reservat

Das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wird nach Ansicht der Grünen durch eine Stromtrasse bedroht. Landeschefin Ska Keller forderte am Sonntag die Landesregierung Brandenburg auf, die Pläne Vattenfalls für eine oberirdische 380-Kilovolt-Stromtrasse durch das Reservat zu stoppen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Potsdam (ddp-lbg/sm) - Die zwischen Bertikow in der Uckermark und Neuenhagen im Kreis Märkisch-Oderland geplante Freileitung mit bis zu 50 Meter hohen Masten würde die sogenannte Schutzzone 3 des Reservats und damit eine "harmonische Kulturlandschaft" durchschneiden. Zudem gefährde der Trassenverlauf unweit des Grumsiner Forsts dessen angestrebten Status als Weltnaturerbe.

Nach Angaben von Keller wurde die Trassenführung in dem bereits abgeschlossenen Raumordnungsverfahren nur als "bedingt vereinbar" klassifiziert. Bei dem Verfahren seien die Bevölkerung des Amtes Britz-Chorin nicht einbezogen und die ablehnenden Stellungnahmen des Naturschutzes ignoriert worden. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) müsse mit Vattenfall verhandeln, um eine Erdverkabelung zu erreichen. Wenn die Landesregierung den Bau der oberirdischen Trasse zulasse, habe sie ihren eigenen "Fall Waldschlösschenbrücke", betonte die Grünen-Politikerin mit Blick auf den Streit um das Bauwerk im Dresdner Elbtal.

Keller bezeichnete die von Vattenfall angeführte Begründung, die Freileitung werde zum Transport von Windenergie aus Mecklenburg-Vorpommern gebraucht, als unglaubwürdig. Es sei vielmehr zu erwarten, dass über sie Strom aus dem geplanten Kohlekraftwerk Lubmin nach Süddeutschland gebracht und der Anschluss Nordwest-Polens vorangetrieben werden solle. Möglicherweise solle damit auch die Stromabnahme des von der polnischen Regierung in Betracht gezogenen Atomkraftwerks Gryfino sichergestellt werden.