Kritik von den Grünen

Großanlage für Biomasse-Kraftstoff soll in Schwedt entstehen

Das Unternehmen Choren will in Schwedt die weltweit erste Großanlage zur Herstellung von Biomasse-Kraftstoff (BTL) bauen. Als möglicher Baubeginn wurde das Jahr 2010 genannt. Begrüßt wurde die Entscheidung von Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern. Kritik kam lediglich von den Grünen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Schwedt/Oder (ddp-lbg/sm) - Wie Choren-Geschäftsführer Tom Blades gestern in der Schwedter PCK Raffinerie GmbH ankündigte, soll die Anlage, in der jährlich eine Million Tonnen Biomasse zu 200 000 Tonnen Biokraftstoff umgewandelt werden könnten, auf dem Gelände der Raffinerie entstehen. Die endgültige Entscheidung über die Investition, die bei 800 Millionen Euro liegt, solle 2009 fallen, sagte Blades. Schwedt habe sich unter 60 möglichen Standorten in Deutschland als der beste erwiesen. Fünf weitere Standorte wurden in die nähere Wahl gezogen. Dort könnten bei Erfolg weitere Anlagen gebaut. Durch die Nähe zur Raffinerie gebe es in Schwedt Synergieeffekte bei der Lieferung von Wärme und Energie, sagte Blades weiter. Außerdem stünden in der Uckermark ausreichend Flächen für die Rohstoffproduktion zur Verfügung.

Darüber hinaus sei mit der Fachhochschule Eberswalde wissenschaftliche Kompetenz für die Weiterentwicklung vorhanden. Die Schule betreibt in der Nähe von Schwedt bereits ein Versuchsfeld, auf dem schnellwachsende Baumarten angebaut werden, die unter anderem zu Bio-Kraftstoff weiterverarbeitet werden können. BTL gilt als Bio-Kraftstoff der zweiten Generation. Er kann aus jeglicher Biomasse gewonnen werden und ohne Motorumbauten in Dieselmotoren verbrannt werden.

In Schwedt könnten mit der neuen Anlage etwa 700 Arbeitsplätze entstehen, "100 Mitarbeiter brauchen wir direkt im Werk, die übrigen Jobs entstehen im Umfeld, in der Forstwirtschaft, im Transport- oder Entsorgungsgewerbe", sagte Blades. Der Schwedter Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) unterstrich: "Zum einen freuen wir uns über jeden Arbeitsplatz, der in unserer Stadt neu entsteht. Noch mehr freut uns, dass er in einer Zukunftsbranche entsteht, die enorme Wachstumspotenziale hat." Er wolle Schwedt zum Kompetenzzentrum in Sachen Bioenergie entwickeln.

Im Umfeld der Raffinerie haben sich bereits eine Reihe von Fabriken etabliert, in denen Biodiesel, Bio-Ethanol als Kraftstoffzusätze und Holzpellets für Heizzwecke produziert werden. Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), sagte, das Investitionsvorhaben könne "zu einem wegweisenden Projekt für die Entwicklung von Biokraftstoffproduktionen der zweiten Generationen werden". Es zeige, dass die Investitionsförderung für die neuen Länder auch in den nächsten Jahren ein zentraler Bestandteil der Politik für den wirtschaftlichen Aufbau in Ostdeutschland bleiben müsse.

Kritik kam hingegen von den Grünen. "Solche zentralen, industriellen Anlagen pervertieren die Biomassenutzung. Das hat mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit rein gar nichts mehr zu tun", sagte die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm. Zentrale Großanlagen widersprächen der Zielsetzung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes und zögen massive Probleme nach sich. Sie erwarte, dass die Landesregierung "keinen Cent" Fördermittel für das Projekt zahlt. Der aus der Uckermark stammende CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen warf den Grünen daraufhin unglaubwürdigen Populismus vor. Man könne nicht höhere Quoten für Biokraftstoff verlangen und gleichzeitig gegen den Bau von Fabriken für solchen Kraftstoff sein.