Herbe Kritik

Großaktionär rechnet mit scheidendem EnBW-Chef Claassen ab

Der EnBW-Großaktionär Electricité des France (EdF) geht laut Medienberichten mit dem scheidenden Chef Utz Claassen des Energieversorgers EnBW hart ins Gericht. In einem vierseitigen internen Bericht ziehe der französische Stromkonzern eine vernichtende Bilanz der Amtszeit des Managers.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Karlsruhe/Düsseldorf (ddp.djn/sm) - Dies berichtete das "Handelsblatt" (Freitagausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise von EdF. Claassen, der vor gut vier Jahren bei EnBW als Vorstandsvorsitzender angetreten war, hatte zu Wochenbeginn überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Das Papier enthalte herbe Kritik an unternehmerischen Entscheidungen Claassens und an seinem persönlichen Führungsstil, hieß es in dem Zeitungsbericht. Claassen habe das Unternehmen heruntergewirtschaftet und eine "Kultur des Misstrauens und der Intrige" entstehen lassen, zitierte das Blatt aus dem EdF-Bericht. Der EnBW-Manager habe Sanierungserfolge seines Vorgängers als Ergebnis seiner eigenen Arbeit dargestellt und die Großaktionäre und den Aufsichtsrat nicht ausreichend informiert.

Die Verkäufe der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts-AG und des Parkhausbetreibers Apcoa seien unternehmerische Misserfolge gewesen, zitierte das Blatt weiter. In beiden Fällen hätten höhere Verkaufserlöse erzielt werden können.

EnBW bezweifelte laut Zeitungsbericht die Echtheit des Papiers. Alle Entscheidungen seien von EdF mitgetragen worden, sagte ein Unternehmenssprecher.

EdF war 2000 bei EnBW eingestiegen und hält heute 45 Prozent der Unternehmensanteile. Claassen hatte am Dienstag mitgeteilt, aus "strukturellen, professionellen, persönlichen und familiären Gründen" für eine Vertragsverlängerung bei EnBW nicht zur Verfügung zu stehen. Sein Vertrag läuft bis Ende April 2008. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.