Brandenburg

Größter Solarpark Deutschlands auf Truppenübungsplatz

Deutschlands größter Solarpark ist jetzt in Brandenburg auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose offiziell in Betrieb genommen worden. Umweltschützer äußern jedoch Bedenken an dem Projekt, denn sie befürchten die Verdrängung seltener Vögel.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Lieberose (ddp/red) - Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD), nahmen die Anlage in der Gemeinde Turnow-Preilack in Betrieb. Die Investitionskosten belaufen sich nach Angaben des Investors juwi Holding AG auf 160 Millionen Euro.

Solarpark auf 210 Fußballfeldern

Das Sonnenkraftwerk mit einer Leistung von 53 Megawatt ist 162 Hektar groß, was der Fläche von mehr als 210 Fußballfeldern entspricht. Nach der endgültigen Fertigstellung im Dezember sollen rund 700.000 Dünnschicht-Module Strom erzeugen. Die Module werden größtenteils im Werk der US-Firma First Solar in Frankfurt (Oder) produziert. Zwei Drittel der Module wurden nach Angaben von juwi bereits installiert. Der Solarpark soll künftig Strom für etwa 15.000 Einfamilienhäuser liefern. Damit könnten rund 35.000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden.

Energie-Standort Brandenburg

"Lieberose ist ein Paradebeispiel für die gelungene Verbindung von Klimaschutz, modernster Technologie und aktivem Naturschutz", sagt juwi-Vorstand Matthias Willenbacher. Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese (SPD) hofft, dass sich die Region durch den Solarpark weiter als wichtiger Energie-Standort in Deutschland profiliert. Das Solarkraftwerk sei für die Landkreise im Süden Brandenburgs, die erst kürzlich die Energie-Region Lausitz-Spreewald gründeten, ein weiterer Meilenstein für einen ausgewogenen Energie-Mix. "Die Beseitigung der verseuchten Flächen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz ist zudem für die Lieberoser Heide und den Tourismus von großer Bedeutung", betont Friese.

Solarpark ist wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

"Lieberose zeigt die ungeheure Dynamik der erneuerbaren Energien, die ein zentraler Beitrag zum Klimaschutz sind und Hunderttausende neue Arbeitsplätze schaffen", erklärt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der SPD-Kanzlerkandidat wird gemeinsam mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) den Solarpark mit der Montage des 560.000. Moduls eröffnen. Die Solarzellen der Photovoltaik-Anlage wandeln Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. Seit dem Jahr 2004 darf die Technik nach der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auch auf Freiflächen ohne Begrenzung errichtet werden.

Umweltschützer äußern Bedenken an Solarpark

In die allgemeine Euphorie von Politik und Wirtschaft mischen sich jedoch auch Bedenken. Der Flächenverlust in der Lieberoser Heide sei riesig, gibt Wolfgang Mädlow vom NABU-Landesverband Brandenburg zu bedenken. "Deshalb kommt es vor allem im Bereich der Vogelwelt zu klassischen Verdrängungseffekten." Zudem könnten nachtfliegende Wasservögel die Solarspiegel für Wasserflächen halten und darauf landen. Auch andere Arten offener Landschaften würden durch den Solarpark verdrängt. Der NABU will deshalb die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt gründlich untersuchen. Auch wenn das Projekt mit der Beseitigung von Altlasten durchaus Vorteile habe, wären aus Sicht von Mädlow Solaranlagen auf großen Dachflächen zu bevorzugen.

Auswirkungen auf Natur noch unklar

Über die endgültigen Auswirkungen auf die Natur könne jedoch noch keine Aussage getroffen werden, sagt Heiko Schumacher von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die Flächen des alten Truppenübungsplatzes besitzt. Trotz einiger Bedenken aus Sicht des Naturschutzes sei der Standort des Solarparks gerechtfertigt. "Die Flächen waren massiv mit Altlasten verseucht und für den Menschen gefährlich."

Lieberose war mit rund 27.000 Hektar der größte Truppenübungsplatz der DDR. Das letzte Panzerschießen fand im Jahr 1992 statt. Im Juli 1994 wurden die Flächen dem Land Brandenburg übergeben. Danach gab es zahlreiche Planungen und Projekte für das Gebiet. Unter anderem war das Areal anfänglich auch als Standort für den neuen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) im Gespräch. Die Idee eines Nationalparks setzte sich ebenfalls nicht durch.