100 Millionen Euro Investition

Größter Bioenergiepark Europas entsteht bei Güstrow

Am Stadtrand von Güstrow entsteht zurzeit einer der größten Bioenergieparks Europas. Die Leipziger Nawaro Engineering GmbH hat dafür ein Verfahren zur Biomethanerzeugung entwickelt. Das in Methan umgewandelte Gas aus Biomüll soll ab Sommer kommenden Jahres in eine Erdgasleitung eingespeist werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Güstrow (ddp-lsc/sm) - Am Stadtrand von Güstrow sollen künftig Silos stehen, die 70.000 Tonnen Biomasse wie Mais, Hirse und Grasschnitt fassen können. Daraus wird Biogas hergestellt, "reiner noch als Erdgas", sagt der Direktor der Nawaro Engineering GmbH, Eckhard Pratsch. Die Investitionskosten der Anlage belaufen sich auf 100 Millionen Euro.

"Aus nachwachsenden Rohstoffen entsteht in speziellen Behältern Biogas, das dann in einem zweiten Schritt verheizt wird, um so Strom zu gewinnen", erklärt Pratsc. In der Güstrower Anlage soll das bislang vergleichsweise unreine Biogas so aufbereitet werden, dass es gleich als Gas genutzt werden kann. "Dabei entziehen wir dem Biogas das darin enthaltene CO2", nach einigen weiteren Schritten entstehe "ein nahezu 100-prozentiges Methangas". Dies habe eine Qualität, "wie sie jederzeit in die bereits vorhandenen öffentlichen Netze eingespeist werden kann", sagt der Projektchef.

Biogas reiner als Erdgas

Die Technologie sei in der Forschungsabteilung seines Unternehmens getestet worden. Den Beweis, dass sie auch funktioniert, will er in Güstrow antreten. Erstmals könne Biogas gewonnen werden, das dem Erdgas gleichwertig, vielleicht sogar noch einen Tick besser sei, sagt Pratsch. 46 Millionen Kubikmeter Gas sollen in Güstrow jährlich produziert werden, genügend um 50.000 Einwohner zu versorgen.

Dafür benötigt er allerdings eine Menge Biomasse. So wird allein Mais von 10.000 Hektar gebraucht, insgesamt rund 330.000 Tonnen. Bislang hat Pratsch erst rund zwei Drittel der benötigten Rohstofflieferungen vertraglich gebunden. Viele Landwirte sind noch zögerlich oder lehnen es kategorisch ab, Anbauverträge mit Nawaro abzuschließen.

Zu ihnen gehört Markus Böckermann. Nach seiner Ansicht ist der Bioenergiepark "einfach eine Nummer zu groß und somit auch mit Risiken behaftet". Bei trockenen Jahren wie diesem blieben die Erträge womöglich deutlich unter den Erwartungen zurück, sagt Böckermann. Zudem bestehe die Gefahr der Monokultur und das sei längerfristig nicht gut.

Mitmachen will dagegen Ulrich Behnke, Chef des landwirtschaftlichen Unternehmens im benachbarten Sarmstorf. Er hat bereits im Herbst 2007 Mais von 100 Hektar für Nawaro eingelagert. In diesem und den Folgejahren soll es genauso viel sein, nicht mehr. "Mit Getreide lässt sich derzeit mehr Geld verdienen als mit Mais", sagt Behnke zur Begründung.

Verband: Landwirte sollten an Wertschöpfung beteiligt werden

Der Landesbauernverband rät seinen Mitgliedern, darauf zu achten, "dass sie an der Wertschöpfung beteiligt werden und sich nicht nur zu Rohstofflieferanten degradieren lassen", wie Sprecher Harald Kienscherf betont. Pratsch will vorrangig Bauern im Umkreis von 50 Kilometern ansprechen. "70 oder 80 Kilometer können im Einzelfall möglich sein, ansonsten bleibe die Wirtschaftlichkeit auf der Strecke.

Am 1. Juni 2009 soll das erste Gas in die Erdleitung unmittelbar neben der Anlage eingespeist werden. Für die Produktion selbst werden in den nächsten Wochen 24 Fermenter-Türme errichtet, jeder einzelne fasst 4000 Kubikmeter. Im Frühjahr 2010 soll die Produktion auf Hochtouren laufen, inklusive eines Düngemittelwerkes. Dort werden künftig die Gärrückstände aus dem Gasreinigungsprozess verarbeitet.