Forderung

Greenpeace will die Bahn vom Atomstrom abbringen

Greenpeace-Aktivisten protestierten am Donnerstag am Berliner Hauptbahnhof gegen das Festhalten der Deutschen Bahn AG an Atomstrom. Die Bahn ist der größte Stromverbraucher in Deutschland und bezieht ihren Atomstrom aus Neckarwestheim, einem der ältesten und umstrittensten Meiler überhaupt.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (red) - Greenpeace fordert vom Vorstandsvorsitzenden der Bahn einen Kurswechsel bei der Stromversorgung des Unternehmens. Die Bahn sollte schnellstmöglich aus Atomkraft und Kohle aussteigen und sich bis 2030 vollständig aus erneuerbaren Energien versorgen, fordern die Umweltschützer.

"Anspruch und Wirklichkeit der Deutschen Bahn klaffen beim Umwelt- und Klimaschutz noch meilenweit auseinander", meint Andree Böhling von Greenpeace. "Wer heute und auch zukünftig seine Züge mit Atomstrom aus einem der gefährlichsten Atomkraftwerke Deutschlands fahren lässt, handelt nicht umweltfreundlich, sondern verantwortungslos. Viele Kunden vertrauen den Umweltschutzversprechen der Bahn. Sie werden bewusst hinters Licht geführt und werden unfreiwillig zu Unterstützern von Atom- und Kohlekraftwerken."

25 Prozent Atomstrom bei der Bahn

Atomkraft habe im Bahnstrommix aktuell einen Anteil von rund 25 Prozent. Seit 1976 bezieht die Bahn ihren Atomstrom aus dem baden-württembergischen Atomkraftwerk Neckarwestheim. Block 1 der Anlage ist einer der ältesten und umstrittensten Meiler in Deutschland und der erste Reaktor, der von den verlängerten Laufzeiten profitiert.

Die bundeseigene Deutsche Bahn AG ist den Angaben zufolge der größte Stromverbraucher im Land. Für die Verteilung des Bahnstroms sorgt ein bahneigenes unabhängiges Stromnetz. Nach eigenen Angaben beschafft die Bahntochter DB Energie jährlich rund 15-16 Terawattstunden (TWh) Strom. Davon werden 80 Prozent - rund 12 TWh - für den Antrieb der Züge genutzt. Zum Vergleich: Berlin mit seinen 3,5 Millionen Einwohnern hat einen Stromverbrauch von 13 TWh im Jahr.