Terrorrisiko bei Atomkraftwerken

Greenpeace: Vernebelungskonzept als Terrorabwehr unzureichend

Die künstliche Vernebelung von Atomkraftwerken bietet keinen ausreichenden Schutz vor Terrorangriffen aus der Luft, so das Ergebnis einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie. Die einzige richtige Antwort auf die Bedrohung sei nur das Abschalten und die Stilllegung der Anlagen, so Greenpeace.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (red) - "Das Vernebelungskonzept der Kraftwerksbetreiber erhöht nicht die Sicherheit, sondern ist nur der Versuch, eine Schein-Sicherheit aufzubauen, die die Akzeptanz der Atomenergie in der Bevölkerung erhöhen soll", sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. "Die Verantwortlichen gestehen mit der Installation der Anlagen das große Terrorrisiko von Atomkraftwerken ein, ohne eine ernsthafte Lösung anzubieten."

Ein Alternativkonzept sei beispielsweise der Bau von Schutzstrukturen rund um das Atomkraftwerk aus drei bis fünf Meter dicken Stahlbetonwänden und einem zusätzlichen Stahlnetz über der Kuppel. Aufgrund der hohen Kosten werde jedoch das günstigere Vernebelungskonzept vorgezogen.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde im Juni 2003 von den Betreibern der deutschen Atomkraftwerke ein Konzept zur künstlichen Vernebelung der Anlagen bei einem Terrorangriff vorgelegt. Es wurde 2004 Bundesumweltministerium als "nicht ausreichend" zurückgewiesen, und die Betreiber wurden zu Nachbesserungen aufgefordert. Die aktuelle Greenpeace-Studie führt mehrere Kritikpunkte an dem Sicherheitskonzept auf. So werde die aus dem militärischen Bereich stammende Vernebelungstaktik dort ursprünglich nur für bewegliche Ziele verwendet. Auch könnte die bewusste Auslösung der Einnebelung sogar von Terroristen genutzt werden, um die entstehende unübersichtliche Situation für einen gezielten Angriff am Boden zu nutzen.

Ein Terrorangriff mit dem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk kann zur nationalen Katastrophe werden, warnen die Umweltschützer. Die freigesetzte Menge radioaktiver Schadstoffe würde durch den Qualm des brennenden Kerosin weit verbreitet, rund 100.000 Quadratkilometer Fläche könne langfristig so verseucht werden, dass die Bevölkerung umgesiedelt werden müsste.