Super-Gau

Greenpeace: Tschernobyl-Opferzahl deutlich höher

Die gesundheitlichen Folgen für die von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 20 Jahren betroffenen Menschen sind viel weitreichender als bislang angenommen. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Umweltschutzorganisation Greenpeace heute in Berlin, Kiew und Amsterdam veröffentlicht.

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Berlin (ddp/sm) - Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt, dass die Opferzahl des Reaktorunglücks von Tschernobyl deutlich höher ist als bisher angenommen. "Wer behauptet, es hätte 4000 Opfer gegeben, leugnet die Schwere dieses Unglücks und ignoriert das Leid unzähliger Menschen", sagte Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer am Dienstag in Berlin. Entsprechende Schätzungen von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Internationaler Atomenergiebehörde (IAEO) würden ein "zu harmloses Bild" zeichnen.

Ein Greenpeace-Bericht, an dem rund 60 Wissenschaftler aus aller Welt mitgearbeitet haben, zeige, dass bedeutend mehr Menschen an den Folgen des Atomunglücks gestorben seien, sagte Breuer. Genaue Opferzahlen könne der Bericht aber nicht nennen, weil sich die gesundheitlichen Folgen noch nicht abschließend beurteilen ließen. Eine Zahl von etwa 90 000 Toten weltweit ist nach Ansicht Breuers aber "realistisch".

Der Bericht zeige, dass die Strahlenbelastung durch den Super-Gau in Tschernobyl ein sehr breites Spektrum von Krankheiten hervor gerufen habe. Über die Häufigkeit von Erkrankungen, insbesondere Krebs, gebe es vielfältige Aussagen. Neueste Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften kämen für die Länder Weißrussland, Ukraine und Russland allein auf 270 000 zusätzliche Krebserkrankungen, von denen voraussichtlich 93.000 tödlich enden werden.

Greenpeace International geht nach einem Vergleich mit früheren Sterbedaten davon aus, dass allein in den vergangenen 15 Jahren in Russland 60 000 Menschen an den Folgen von Tschernobyl gestorben sind. Schätzungen für Weißrussland und die Ukraine liegen bei bis zu 140 000 Toten.

Im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine war am 26. April 1986 ein Reaktor explodiert, wobei es zu einer Kernschmelze kam. In der Folge wurden mehrere tausend Quadratkilometer Fläche im Umkreis des Kraftwerks radioaktiv verseucht.